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Die Herstellung einer Modellbahnlok

Ihr kennt sicherlich als Modellbahner die nachfolgend dargestellte Situation:
Nach der Kurve schaltet die Lok der Deutschen-Bahn- Baureihe 101 ihr Fernlicht zu. Ein Güterzug mit brummender Diesellokomotive kommt entgegen. Unmittelbar danach erreicht die E-101 die Bahnhofsanlage. Sie verlangsamt ihre Fahrt und hält kurz vor dem Signal.
Wenig später ertönt auf dem Bahnsteig gegenüber das Signalhorn der Cargo-Zugmaschine. Der Güterzug setzt sich in Bewegung und erreicht erst deutlich später seine Dienstgeschwindigkeit. Dies ist nicht die Realität, sondern hier wird auf hohen Niveau Eisenbahn gespielt,allerdings nicht analog sondern digital.
Die Frage die sich hier sicherlich mancher Modellbahner stellt ist die:
"Wie wird eigentlich eine Modellbahnlok hergestellt ?"
Nun beinhaltet allerdings dieses Frage bereits mehrere andere Fragen.
Es gibt nämlich nicht nur Loks mit einem Plastikgehäuse, sondern auch Loks mit einem Gussgehäuse.

Die Herstellungsmethoden sehen im Einzelnen so aus:
- Fahrgestell aus Metall und einem Plastikaufbau
- Fahrgestell aus Plastik und einem Plastikaufbau
- Fahrgestell und Aufsatz aus Metall
Wir wollen uns hier der anspruchsvollen Variante zuwenden, nämlich einer Lok, komplett aus Metall hergestellt.
Zuerst muss man wissen, dass eine Modellbahnlok aus Guss nicht aus Stahl, sondern aus Zink gefertigt wird. Dies liegt in der besseren Verarbeitung diese Metalles (niedrigere Siedetemperatur).
Sowohl das Metallgehäuse, als auch das Fahrgestell wird bei Gussloks in einem sehr aufwendigen Herstellungsprozess gefertigt. Dies findet dementsprechend seinen Niederschlag auch im Preis. Dies dürfte nach den nachfolgenden Ausführungen klar werden.
In der Regel sind Gussloks erst ab 150,00 Euro erhältlich.

Nun wollen wir uns dem eigentlichen Thema annehmen.
Wie stellt man nun so eine Lok her?
Zuerst muss man sich, wenn man sich für ein entsprechendes Lokmodell entschieden hat, sich über das Original kundig machen. Damit kommen wir zum ersten Herstellungsschritt.

Der Planungsphase
In dieser Zeitphase werden umfangreiche Vorarbeiten erforderlich, wenn die künftige Lok auch wirklich orginalgetreu aussehen soll. So müssen hier die Mitarbeiter von Modellbahnherstellern mit Mikrofon, Fotoapparat und Schreibzeug ausschwärmen, um an originale Fahrgeräusche (bei digitalen Loks wichtig), Warnsignale, Konstruktionszeichnungen und an die Detailausstattung der Orginallokomotive heran zu kommen. Dazu dient nicht natürlich nicht nur als Anlaufstelle die DB-AG, sondern insbesondere bei alten Modellen auch die Bahnmuseen und die Vereine von Eisenbahnfreunden. Ohne diese Vorarbeiten kann kein detailgetreues und hochwertiges Lokmodell entstehen.
So werden bei den deutschen Modellbahnherstellern von jeder Lokomotive, die nachgebildet werden soll bis zu 1000 Fotos gemacht. Von den Fahrgeräuschen wird eine Vielzahl von Aufnahmen gemacht (im Stand, bei der Fahrt, bei Volllast etc, etc).
Das Design einer modernen Großlok erhalten die Modellbahnhersteller im günstigen Fall als CAD-Datei ("Computer Aided Design") vom Produzenten des Vorbilds. Doch auch bei den Loks früherer Epochen macht die "Fassade" kein Problem. Bei guten Modellbahnherstellern werden Dokumentare beschäftigt, die Daten, Bilder, Zeichnungen und andere Beschreibungen von Lokomotiven und Waggons zusammenzutragen.
Aus den so gewonnenen Dokumenten entsteht im Entwicklungslabor ein Computerabbild - meist im Maßstab 1 : 87 - . Diese seit 1950 als HO firmierende Modellbahngröße ist trotz Maxi- und Minimodellen auch heute noch tragende Spur der meisten Modelleisenbahner. Die HO-Größe überzeugt einfach durch die ansehbare Detailtreue.
Anders als die "großen" Lokhersteller wie Adtrans ABB/Daimler-Benz), Siemens, die erst das Innenleben und dann die Hülle einer Lok entwickeln, nähern sich die Modellbahnfirmen auf der Gegenspur ihren Produkten.
Ihnen sind die Dimensionen ja vorgegeben, und das Innenleben wird danach abgestimmt. Bei modernen Lokomotiven mit ihren quaderförmigen Leibern macht das keine Probleme. Aber bei den Dampfloks ist das ein Puzzlespiel. In einigen Fällen ist hier der Platz so klein, dass spezielle Motoren hergestellt werden müssen. Teilweise nur für dieses Modell.
Für die Neuentwicklung einer Modellbahnlok sind fünf bis sechs Monate Zeit erforderlich. Vier oder fünf Mitarbeiter arbeiten dabei als Team daran.

Die Herstellungsphase
Nach dieser "Grundlagenarbeit" geht es an dann an die eigentliche Modellherstellung. Zuerst muss eine Form gebaut werden die sehr arbeitsintensiv ist. Hier werden i.d. Regel bis zu 15 Leute sechs bis acht Monate beschäftigt. Danach erfolgt die Herstellung.
Im nebenstehenden Bild ist die Herstellung des Oberteils einer Gussdampflok zu sehen. Die Lok wird aus flüssigem Zink gegossen.
Wenn der Druckguss hergestellt ist, beginnt die zeitaufwendige Arbeit, das Gehäuse zu entgratet und zu bürsten, um die unerwünschten Reste des Zinkdruckgussses zu entfernen. Das dies ein sehr zeitaufwendiger Prozess ist, kann dem nebenstehenden Bild entnommen werden.
Daneben müssen noch andere Dinge gefertigt werden wie Antriebsstangen,Kolbenstangen, Radsätze etc.
Natürlich hat das seinen Preis. Deshalb fällt es auch immer schwerer hier von Spielzeug zu reden. Es handelt sich vielmehr um orginalgetreue hochwerte Modelle, die auch zum Spielen benützt werden können (nicht umgekehrt).
Demgegenüber stehen die Billigmodelle von Modellbahnherstellern, insbesondere aus Asien, gegenüber, die im wahrsten Sinne des Wortes wirklich nur billiges Spielzeug fertigen.

Die Bemalung und Beschriftung
Nach der Herstellung des Rohproduktes ist das Bemalen angesagt. Am nebenstehenden Bild ist zu erkennen wie zeitaufwendig und filigran diese Arbeit ist. Insbesondere die Bemalung der N und Z - Modelle ist schon reine "Uhrmacherarbeit"
Meist muss das Modell beim bemalen stark vergrößert werden um zu erkennen, ob es vollständig ist.
Als nächstes folgt dann die Beschriftung, die i.d. Regel maschinell erfolgt.
Wer bei einer Modellbahnfirma arbeitet, sollte ebenso detailversessen sein wie ein Hobbymodellbahner. Nur so hat er Spaß an der immer filigraneren Herstellung. So hat ein Lok-Puffer bei einer N-Lok auf einer Fingerkuppe reichlich Platz.

Die Elektronik
Eine Lok, ohne eine ansprechende Elektronik, ist nicht vollständig. Um am Modellbahnmarkt bestehen zu können, muss heute eine digitale Lok mindestens mit einer ansprechenden Beleuchtungs- und Geräuschelektronik ausgestattet sein. Selbstverständlich ist auch eine elektronisch gesteuerte Anfahr-und Abbremssimulation. Lautsprecher, die in einigen Loktypen montiert werden, beschallen auf digitalen Knopfdruck die Modellbahnanlage mit pfeifenden oder brummenden Tönen.
Allerdings bereiten die Bässe die größten Probleme, weil Basslautsprecher vom Volumen leben, das in den Modell-Loks meist nicht zu haben ist. Die Entwickler helfen sich da mit Schallröhren weiter, die den akustischen Kurzschluß verhindern und die Klangeigenschaften verbessern.
Überhaupt schnurrt eine moderne Modelleisenbahn eleganter und auch raffinierter über die Modellbahnplatte, als viele ältere Leute das Spielzeug in Erinnerung haben.
Wer mit herkömmlichen analogen Modellbahnen spielt, dreht am Trafo die Spannung hoch, und die Lokomotiven werden schneller. Beim Digitalbetrieb liegt dagegen ständig die gleiche Spannung an z.B. bei Märklin: 22 Volt.
Die Fahranweisung erhält jede Lok per Tastenbefehl durchs Steuergerät.
Vorteil der digitalen Technik:
Die Geschwindigkeiten können so reguliert werden, dass die Züge im Gleichschritt fahren. Ein wichtiges Kriterium für Modellbahner ist die mögliche Fahrgeschwindigkeit einer Modellbahnlok. Eine Lok sollte mind 60 Zentimeter pro Sekunde zurücklegen. Erst dann kann sie Hobbyeisenbahner begeistern. Die Dampflokomotive der Baureihe 89 von Märklin schafft sogar einen Meter in der Sekunde.
Hier ist dann aber auch die Detailtreue abhanden gekommen. Im Modellbahnbetrieb fahren die Loks tatsächlich wesentlich schneller als das Vorbild. Denn 60 Zentimeter pro Sekunde gefahrene Geschwindigkeit der Modellbahnlok, bezogen auf das 87mal größere Vorbild heißt somit, dass dann das Vorbild 190 Kilometer pro Stunde fahren müsste.
Die Dampflokomotive der Baureihe 89 schaffte aber dies nicht. In Wahrheit führ die Lok gerade einmal 45 km/h.
Bis Anfang der Neunziger Jahre sorgten Glühbirnchen für die Lokbeleuchtung. Die neuen Loks besitzen Leuchdioden oder Glasfaserleuchten

Früher stoppte der Zug vor einem Signal abrubt, wenn das Signal auf Stop gestellt war. Bei Grün führen sie mit einem Ruck wieder an. Heute sorgt die digitale Signalübertragung bei den dafür ausgerüsteten Zügen, dass sie langsam zum Stillstand oder wieder langsam in Fahrt kommen - eben wie das Original -.

All die Elektronik in den Loks verschafft erst die entsprechende realistische Darstellung der Bahnatmosphäre. Diese Features sind heute unbedingt erforderlich, um vor allem die Jugendlichen noch für die Modelleisenbahn gewinnen zu können. Da die echte Bahn bei weitem nicht mehr die Rolle als Verkehrsträger spielt wie früher, wird die Beschäftigung mit Modelleisenbahnen immer mehr zum Hobby für Erwachsene.
Damit wachsen die Ansprüche an die Miniaturmodelle, was die Hersteller durch immer trickreichere Imitationen zu befriedigen suchen.
Natürlich gibt es auch für Modellbahnbauer Richtlinien die zu beachten sind. So muss u.a. jede Lok auf ihre elektromagnetische Verträglichkeit durchgecheckt werden.

Die Produktion und Auslieferung der LOK
Die Produktion der Lok dauert i.d. Regel weitere vier Monate. danach sind so viele Loks des neuen Typs produziert worden, dass an die Händler ausgeliefert werden kann. In der Entwicklungszeit unterscheiden sich Vorbild und Modellbahn kaum. Denn auch die Orginalloks brauchen lange Zeit, bis eine neue Lokgeneration entsteht.
Während aber die DB-AG i.d. Regel 145 Exemplare benötigt, muss ein Modellbahnhersteller tausende von Modellen unter die Kundschaft bringen, damit er in die Gewinnzone kommt und auch einen überragenden Marktanteil bekommt.
Der Vorteil bei Herstellern, die eine hohe Stückzahl produzieren (wie.z.B. Märklin) liegt darain, dass sie speziell auf ihre Lokomotiven abgestimmte Schaltkreise entwerfen können und so einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben, die mit Standard-Mikroprozessoren arbeiten muss.

Feststellung
Bei den deutschen Lokherstellern wie Fleischmann, Märklin/Trix wird die Orginalnachbildung einer Lok sehr groß geschrieben. Es wird hier sehr viel Zeit in die Detailarbeit gesteckt. Natürlich hat das auch seinen Preis. Deshalb wäre es auch unredlich solch detailgetreue und hochwertige Lokmodelle mit den Billigprodukten zu vergleichen, die in den Kaufmärkten wie z.B. bei Aldi und Norma um ein paar Euros (gleich mit Gleisen, Wagen und Trafo - als Komplettanlage -) angeboten werden. Hier handelt sich um Billigspielzeug. Mit Modellbahn, das muss man sich klarmachen, hat dies nichts zu tun.
Deshalb ist es mir auch immer unverständlich, wenn Privatverkäufer die eine solche Billigspielzeugeisenbahn verkaufen wollen, weil z.B. der Junior nicht mehr mit ihr spielt, einen hohen Verkaufspreis erwarten, mit dem Argument, dass die Loks und Wagen bei Märklin,Trix oder Fleischmann ja auch zu einem relativ hohen Preis verkauft werden.
Unabhängig davon, dass die Detailtreue und die Herstellungsqualität bei diesen Billigprodukten nicht vorliegt, rate ich von derartigen Käufen ab, da die Loks bzw Wagen keine hohen Laufleistungen zustande bringen und ein weiterer gravierender Nachteil, die Fahreigenschaften sind teilweise katastrophal.
Wenn aber der Fahrspass nicht zustande kommt verliert man sehr schnell die Lust an der Modellbahn.
Als Vergleich:
Ich besitze eine Trix-HO-Lok aus den 30iger Jahren, die auch heute noch, allerdings nicht digital, gut auf den Gleisen läuft. Das macht mal mit einem Billigprodukt aus China. Der Grund liegt in der Genauigkeit der Produktion. Wenn z.B. ein Radkranz nur eine geringe Unwucht aufweist, ist es mit dem Fahrspass sehr schnell vorbei. Oder wenn die Kupplungen nicht ordnungsgemäß greifen, kann die Rangierarbeit vergessen werden.

Ich hoffe euch mit meinen Ausführungen einen Einblick in den Herstellungsprozess einer Modellbahnlok gegeben zu haben.

Viel Spass weiterhin mit der Modellbahn und auf meiner Homepage wünscht euch
Euer
Peter Wankerl


Die Lok wird gegossen Umbau-Bild


Die Lok wird für die Bemalung hergerichtet Herstellung einer Lok


Die Herstellung der Einzelteile einer Lok benötigen ebenfalls viel Zeitaufwand. Hier die Herstellung von Getriebestangen Herstellung einer Lok


Die Herstellung der Einzelteile einer Lok benötigen ebenfalls viel Zeitaufwand. Hier die Herstellung der Radsätze Herstellung einer Lok


Bemalung der Lok - eine "Uhrmacherarbeit" - Herstellung einer Lok


Die Beschrifung der Lok Herstellung einer Lok


So ensteht dann solch eine Lok - BR91 - Herstellung einer Lok


oder so eine Lok - BR18 - Herstellung einer Lok


oder so eine Lok - BR85 - Herstellung einer Lok

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