Es werden bei uns immer wieder Anfragen über elektronische
Bauteile und deren Verwendung in der Modellbahntechnik gestellt.
Ich will deshalb in der nächsten Zeit die Anfragen sortieren und
zu bestimmten elektronischen Bauteilen entsprechende Informationen
und Verwendungshinweise bei der Modellbahn geben.
Die meisten Anfragen liegen mir derzeit zu den Reedkontakten vor.
Deshalb wollen wir uns mal als erstes mit diesen elektronischen
Bauteilen auseinander setzen.
Nun, was ist jetzt eigentlich ein Reedkontakt ??
Der Reedkontakt ist in einem gasdichten Glasröhrchen eingebettet
und besteht aus zwei Kontaktzungen, die an den Zuleitungen federnd
befestigt sind. Sobald ein Magnetfeld über die weichmagnetischen
Anschlussdrähte fliesst, ziehen sich die Kontaktzungen gegenseitig
an und stellen einen Kontakt her. Wenn das Magnetfeld wieder
verschwindet bzw. einen gewissen Betrag unterschreitet, öffnet
der Kontakt wieder aufgrund der Federkraft. Es braucht ein
etwas höheres Magnetfeld für das Schliessen des Kontaktes als
beim Öffnen. Reedkontakte "prellen" ein wenig, was die
angeschlossene Schaltung verkraften muss. Das nachstehende
Bild verdeutlicht nochmals das gesagte.
Reedkontakte gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen,
so dass für jeden Anwendungsfall der geeignete Reedkontakt zur
Verfügung steht
Der Reedschalter ist somit ein elektromechanische Schalter, der
wie ein Relais funktioniert. Reedkontakte können allerdings
keine hohe Leistung schalten. Die Reedschalter,
eignen sich wegen ihrer einfachen Bauweise hervorragend für
miniaturisierte Produkte, also auch für die Modelleisenbahn.
Reedschalter, besser gesagt sind es eigentlich Reedkontakte,
können entweder:
- elektromagnetisch durch das Feld einer stromdurchflossenen
Erregerspule
oder
- mechanisch durch das magnetische Feld eines Permanentmagneten
betätigt werden.
Bei der elektromagnetischen Betätigung befinden sich die
Kontaktelemente meist im inneren einer Spule. Sehr vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich
allerdings für mechanisch betätigte Reedkontakte.
Dabei wird die zum Schalten erforderliche Änderung des
magnetischen Erregerfeldes durch einen relativ zum
Reed-Kontakt bewegten Permanentmagneten erzeugt. Die Bewegung
kann z.B. durch Drehen, Kippen, Schieben oder Heben erfolgen.
Ausschlaggebend für das Schalten der
Kontaktzungen ist die Lage und Verteilung des magnetischen
Feldes relativ zu den Kontaktzungen; d. h., der Reedkontakt
wird als Sensor mit Schaltfunktion eingesetzt.
Nur mit Reedkontakten kann eine Modelleisenbahnanlage
biliig automatisert werden. Sie ermöglichen
das automatische Schalten von Magnetartikel wie Weichenspulen,
Antriebe für Formsignale etc. etc..
Durch Reedkontakte können sogar komplette Weichenstraßen
automatisiert gestellt werden.
Der Schaltvorgang:
Wie geht nun ein Schaltvorgang mit einem Reedkontakt vor sich ?
Reedkontakte werden durch einen Magneten geschlossen und öffnen
sich, sobald der Magnet wieder entfernt wird. Sie reagieren also
auf ein magnetisches Feld.
Nehmen wir mal folgende Situation an:
Bei einer Lok ist ein Magnet unterhalb des Rahmens angebracht.
Sie fährt nun ein Signal an. Das Signal seht auf Rot und
soll nun auf "Frei" schalten wenn eine Lok heranfährt.
Im Bereich des Signals wurde unter dem Gleis ein Reedkontakt
angebracht. Die Lok überfährt diesen Reedkontakt mit ihrem
Magneten. Daraufhin schaltet dieser Reedkontakt - er wird
geschlossen -. Der Stromkreis wird somit geschlossen und die
Signalsteuerung ausgelöst.
Durch die kleinen Abmessungen der Reedkontakte können diese
problemlos unter die Schienen gelegt oder geklebt werden.
Sie ermöglichen eine berührungslose Arbeitsweise, erreichen
dabei sehr hohe Schaltfrequenzen und sind äußerst kostengünstig.
Zu beziehen sind diese Reedkontakte in jedem Elektronikfachmarkt
oder im Elektronikfachhandel.
Nur ein kleiner Hinweis in eigener Sache sei erlaubt. Auch ich
habe hin und wieder gebrauchte Reedkontakte in der Fundgrube.
Auf einer Modellbahnanlage gibt es eigentlich keine Informationen
über den Zustand des Modellbahnsystems.
Diesen Nachteil können Reedkontakte ausgleichen. Im Gleisbett
kann eine Vielzahl von Reedkontakten integriert werden und
darüberfahrende Züge erkennen können.
Bei einer computergesteuerten Digitalanlage sind sie
unverzichtbar für die Steuerung, um beispielsweise Gleisblöcke
nach dem Verlassen freigeben zu können oder einen Zug möglichst
direkt vor einem Signal zum Stehen zu bringen.
Reedkontakte sind übrigens nicht nur sinnvoll bei Digitalanlagen
einsetzbar. Auch auf analogen Anlagen sind gute
Einsatzmöglichkeiten zur Automatisierung des Zugbetriebes gegeben.
Nachteile
Reedkontakte werden prinzipiell wie einfache Schalter
abgefragt, die Messungen sind jedoch mit Störungen behaftet.
Abhängig von der Ausrichtung des Magneten kann ein Kontakt
während der Überfahrt kurz abfallen, bei einem zu schwachen
Magnetfeld löst der Reedschalter unter Umständen auch gar
nicht aus.
Die Glasgehäuse sind relativ empfindlich und können zerbrechen,
wenn sie Druck oder einem Stoß ausgesetzt werden.
Die langen Anschlussleitungen reagieren leicht auf
elektromagnetische Störimpulse, wie sie etwa ein in der
Nähe schaltender Weichenantrieb erzeugen kann.
Reedkontakte und Computer
Eine Interfaceelektronik muss die o.g. Nachteile bzw Störungen
so gut wie möglich unterdrücken, gegebenenfalls mit weitergehender
Filterung durch das Steuerprogramm.
Sehen wir uns mal einen Zeitmessvorgang mit einem Reedkontakt
in Zusammenarbeit mit einem Computer näher an. Damit kann die
Lokgeschwindigkeit auf einer bestimmten Wegstrecke ermittelt
werden, oder es kann die Lokgeschwindigkleit in Kurvenbereichen
heruntergefahren werden usw.
Die Zeitmessung wird über die serielle Schnittstelle vom PC
realisiert (siehe Bild - serielle Schnittstelle - neunpoliger
Schnittstelle -):
Ein Kabel wird z.B. von Pin 4 nach Pin 1 (Lok) gelötet werden.
Das Kabel wird durch einen Reedkontakt unterbrochen. Jeweils
ein Reedkontakt sollte am Sartpunkt und am Endpunkt der
Wegstrecke so angebracht werden, dass die Lok sie bei der
Überfahrt kurzzeitig schließt.
Durch ein entsprechendes Computerprogramm kann dann die
Geschwindigkeit der Lok ermittelt werden und daraufhin
z.B. die Geschwindigkeit der Lok heruntergefahren werden
(vor einer Kurve).
Ausführungshinweise
Magnet und Reedkontakt müssen parallel zueinander ausgerichtet
werden. Im Gegensatz zu manchen Anwendungsempfehlungen müssen
Reedkontakte und Magnete immer quer zur Fahrrichtung eingebaut
werden, um einen definierten, einzelnen Impuls zu erhalten.
Baut man den Kontakt längs zur Fahrrichtung ein, wird er je
nach Abstand des Magneten ein-, zwei- oder dreimal schalten.
Das ist für einen zählenden Block nicht brauchbar. Aber auch
für andere Schaltungen ist dies nicht optimal.
Reedkontakte dürfen keinesfalls zur direkten Ansteuerung von
Weichen- und Signalspulen eingesetzt
werden (zu hoher Stromstoss). Beim Einsatz von Relais ist
eine Freilaufdiode parallel zur Spule notwendig.
Reedkontakte müssen ohne Druck auf den Glaskörper unter das
Gleis gesetzt werden. Auch darf keine Vorspannung auf die
Anschlussdrähte ausgeübt werden.
Reedkontakte dürfen nicht eingeklemmt werden
Die Lokschleifer und/oder Radkränze dürfen den Reedkontakt
keinesfalls berühren.
Es kommt beim Einbau auch nicht auf die Ausrichtung der Zungen an.
Die Anschlussdrähte dürfen allerdings nicht zu kurz abgeschnitten
werden, damit sie möglichst viel vom Magnetfeld einfangen können.
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