Geschichte der deutschen Eisenbahn - Deutsche Diesellokomotiven der Baureihen - hier: Die Köf's und V15 / V18


Die Diesellokomotiven
- Die Köf's, V15, V18, V22, V36


Inhaltsverzeichnis

- Einleitung

- Die Koefs

- Diesellokbaureihe V15 / V18

- Diesellokbaureihe V22

- Diesellokbaureihe V36

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Einleitung


Einleitung
Im Jahre 1880 baute die Lokomotivfabrik Hanomag in Hannover die erste Lokomotive mit einem Verbrennungsmotor. Trotzdem sollte es noch viele Jahrzehnte dauern, bis Diesellokomotiven im normalen Eisenbahnbetrieb eingesetzt werden konnten und in Serie gebaut wurden.

Das Hauptproblem war bei großen Lokomotiven mit Verbrennungsmotor der Antrieb. Deshalb fuhren zunächst nur kleinere Dieselloks als Werksbahnen oder in Erzgruben, da hier nicht so große Lasten bewegt werden mussten. Außerdem pusten Dieselloks weniger Abgase in die Luft als Dampflokomotiven. Sie waren deshalb für den Einsatz unter Tage besser geeignet.

Die erste Diesellokomotive, die einen ganzen Zug ziehen konnte, wurde 1912 von der deutsch-schweizerischen "Gesellschaft für Thermolokomotiven" gebaut und getestet. Sie fuhr zunächst mit Luftdruck an, bis der Motor die notwendige Drehzahl erreicht hatte. Allerdings konnte sich diese Technik nicht durchsetzen.

Die ersten in Serie gebauten großen Diesellokomotiven mit immerhin 1200 PS wurden in der damaligen Sowjetunion eingesetzt. Die deutsche Maschinenfabrik Esslingen baute 1924 im Auftrag der Sowjetunion die erste wirklich für den Alltagsbetrieb geeignete Diesellokomotive. Diesellokomotiven konnten in den wasserarmen Gebieten der Sowjetunion ihre Vorteile gegenüber Dampflokomotiven voll ausspielen. Zum einen brauchten sie kein Wasser, zum anderen konnte eine Diesellok mit einer Tankfüllung viel weiter fahren, als eine Dampflok mit einer Ladung Kohlen.

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Die Dieselkleinloks - "Köf"
Kleindieselloks: DB 236, DB 322, DB 323; DB 332 und DB 333


Die Entwicklung der Kleinloks - "Koef" genannt - erfolgte über Erprobungsloks, Vorserienfahrzeuge zu den Leistungsgruppenloks.

Es ist schwierig nachzuvollziehen, wann die Reihe der Erprobungs-Kleinloks durch die Reihe der Vorserien-Fahrzeuge abgelöst worden ist. Aus den Erfahrungen der Erprobungsloks formulierte die Deutsche Reichsbahn zwei Leistungsgruppen von Kleinloks:

— Leistungsgruppe (Lgr): I   -- für Kleinloks bis 39 PS
— Leistungsgruppe (Lgr): II -- für Kleinloks mit 40—149 PS.

Die 17 Loks der Lgr II die um 1930 in den Dienst gestellt wurden, waren die Grundlage für die Erfahrungssammlung - zusammengefasst im sog. „Forderungskatalog“.

Im wesentlichen erbrachten diese Vorserienfahrzeuge folgende Erkenntnisse für den Bau von Kleinloks:

Abmessungen: Achsstand 2500 mm

Rad-Durchmesser: 850 mm

Fußbodenhöhe: über SO 375 mm

Führerhaus: vollständige Uberdachung

Niedrige Fußbodenhöhe (damit kam nur die Lage hinter dem zweiten Radsatz in Frage), Durchgangsmöglichkeit (um es dem Fahrzeugführer zu ermöglichen, auch während der Fahrt vom linken auf den rechten Bedienungsstand überzuwechseln);

Motor: Vier- und Zweitakt-Dieselmotoren bzw Viertakt-Vergasermotoren, deren Leistung etwa 50 oder 60 PS betragen sollte.

Antrieb: wahlweise Kette(n) oder Stangen.

Kupplung: automatische Zughakenkupplung (Diese Kupplung steigt beim Kuppeln automatisch auf der Stirnseite des Zughakens auf und fällt dann in das Zughakenmaul des anzukuppelnden Wagens ein. Das Entkuppeln geschieht unter Zwischenschaltung eines Ülbertragungsgestänges durch einen Fußhebel.

Entsprechend diesem "Forderungskatalog" wurden im Jahre 1931 die Firmen Schwartzkopff, Deutz, Orenstein & Koppel und Jung mit der Entwicklung der Einheitskleinlok beauftragt.

In mehr als zwanzig Exemplaren stand der Deutschen Reichsbahn noch im Jahre 1931 eine breite Palette von Kleinloks zur Verfügung, die nach den o.g. Vorstellungen konstruiert worden waren. Die Fa. Schwartzkopff und Orenstein & Koppel hatten Vergasermotoren gewählt (Schwartzkopff einen Sechszylinder mit 50 PS bei 1000 U/min, Orenstein & Koppel einen stärkeren Motor mit 60 PS bei 700 U/min). Die Schwartzkopff-Kleinloks wurden ferner über Ketten angetrieben, die O & K-Loks hatten einen Stangenantrieb.

Die Firmen Deutz und Jung hatten eigene Dieselmotoren verwendet. Die Fa. Deutz einen Sechszylinder mit 60 PS bei 1000 U/min, die Fa. Jung einen Diesel mit 50 PS bei 600 U/min. Der Antrieb erfolgte bei beiden Firmen über einen Stangenantrieb.

Die Kleinloks hatten eine Länge über Puffer zwische 6.300 mm und 6.900 mm.

Aber auch mit diesen Vorserienfahrzeugen war die Erprobungsphase noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der Erfahrungen im Kleinlokbau bot die Fa. Schwartzkopff mit der Kb 4052 (eine Weiterentwicklung seines Modells von 1931) eine Kleinlok mit LÜP 6.550 mm und einem weiter nach vorne gezogenen Motorgehäuse an. Der Antrieb erfolgte mit Kette. Durch die geänderte Motorgehäuseplazierung wurde eine bessere Gewichtsverteilung erzielt.

Gegenüber deb leistungsfähigen Kleinloks war die Entwicklung der Kleinloks mit geringen Leistung unauffällig. Die Firmen Jung, Gmeinder, 0 & K und Windhoff lieferten im Jahre 1931 mehrere Kleinloks dieser Leistungsgruppe an die Deutsche Reichsbahn ab. Alle diese Kleinloks wurden über Kette angetrieben. Die Windhoff-Lok und die Gmeinder-Lok über zwei Ketten auf beiden Achsen.
Die wesentlichsten Daten dieser ersten Kleinloklieferung mit geringer Leistung:



Hersteller Achsstand (mm) Rad-Ø (mm) Dienstmasse Motorart PS bei u/rnin
Jung 2000 700 6,2 Zweitakt- Diesel 20/ 650
Gmeinder 2500 850 8,8 Viertakt-Diesel 30/1 000
0 & K 2500 750 7,5 Vierzylinder-Vergasermotor 20/1 200
Windhoff ? 7 7,5 vierzylinder-Vergasermotor 25/1 400


Die Vorserien-Kleinloks der Leistungsgruppe I (Kö 0017-0104) blieben nicht sehr lange bei der Deutschen Reichsbahn. Anders erging es den Vorserien-Fahrzeugen aus den Jahren 1933/34 die in der beachtlicher Stückzahl (Kö 0028-0079 und 0081 -0104) von den Firmen ausgeliefert wurden. An diesen Lieferungen waren die Firmen Gmeinder, Windhoff und Jung beteiligt. Jeder dieser drei Lokomotivbauer übergab 1933 sieben Kleinloks an die Reichsbahn. 1933/34 folgte für Gmeinder und Windhoff ein Anschlußauftrag über nochmals jeweils 27 Streckendiesellokomotiven.

Insgesamt also gab es je 34 Kleinloks der Vorserien-Bauart von Gmeinder und Windhoff sowie sieben von Jung. Die BetriebsnummerO4g war mit einem Einzelstück besetzt, das sich nicht bewährte und schnell wieder von den Schienen verschwand. Die wesentlichsten Daten der VorserienKleinloks der Lgr. 1 sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt:

Auf sehr vielen Bahnhöfen und in Bahnbetriebwerken bzw Ausbesserungswerken taten die kleinen Dieselloks ihren Dienst. Diese Loks wurden unter dem Namen "Köf" zusammengefasst. Es handelte sich hier um Kleinloks mit Ölfeuerung.

Als erste einer solchen Kleinlok ist die DB 236 zu erwähnen. Diese Diesellok mit der Achsfolge C und einem Stangenantrieb wurde als erste Dieselserie in Deutschland gebaut.

Bei der DB 322 handelt es sich um eine Köf der Leistungsklasse II mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h.

Die Köf DB 323 brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und gehörte ebenfalls zur Leistungsklasse II.

Die Köff DB 332 wurde nach dem zweiten Weltkrieg gebaut. Sie gehört zur Leistungsklasse III und verfügte über einen Kettenantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 45 km/h.

Die Köf DB 333 wurde ebenfalls nach dem zweiten Weltkrieg gebaut. Sie besaß einen Gelenkwellenantrieb. Die Höchstgeschwindigleit betrug 45 km/h. Sie gehörte zur Leistungsklasse III.

Über die Geschichte der Deutschen Kleinlokomotiven ist im Modellbahnarchiv von hpw-modellbahn ein Beitrag enthalten.


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Die Kleindiesellok V15 / V18 (BR101)


Die Baureihe V15 (ab 1970: Baureihe 101) waren Diesellokomotiven der Deutschen Reichsbahn für den leichten Rangierdienst. Die Lokomotiven wurden als V18 auch an Industriebetriebe geliefert.

Anfang der fünfziger Jahre wurden zur Deckung des kriegsbedingten Lokomotivmangels noch einige Kleinlokomotiven der Leistungklasse II (Kö II, Köf II und N 4) neu gebaut. Die Deutschen Reichsbahn nahm aber auch eine leichte Rangierdiesellokomotive mit einer Leistung von 110–132 kW (150–180 PS) in ihr Neubau-Typenprogramm auf. Diese Maschine sollte die zum Rangieren verwendeten alten Kleinloks und die noch weitverbreiteten Dampflokomotiven ablösen.

Der LKM Babelsberg stellte dazu 1956 eine auf den bekannten Kleinlokomotiven basierende neue 75 kW (100 PS)-Lokomotive mit mechanischer Kraftübertragung, hochliegendem und geschlossenen Führerstand vor. Die als V10 B bezeichnete Kleinlok hatte Radsätze mit 900 Millimeter Durchmesser und war für den Betrieb auf Werk- und Anschlussbahnen vorgesehen. Die Lokomotive entsprach aber nicht ganz den Vorstellungen der DR, die noch Veränderungen forderte.

1958 lieferte die Industrie eine Baumusterlokomotive zur Erprobung an die Deutsche Reichsbahn. Diese Lokomotive war wunschgemäß mit einem neu entwickelten Strömungsgetriebe und einem Dieselmotor mit 110 kW (150 PS) ausgerüstet. Die als V15-101 geführte Maschine wurde nach Abschluss der Erprobungen wegen ihrer abweichenden, niedrigen Rahmenbauweise und dem tiefliegenden Führerstand (ähnlich der Kö II) nicht von der DR übernommen, sondern an das Institut für Schienenfahrzeuge (IfS) verkauft. Die so gewonnenen Erfahrungen mündeten 1959/60 schließlich in die Produktion der Nullserie (V15 1001 bis 1005) und der ersten Kleinserie (V15 1006 bis 1020) mit 110 kW (150 PS) Motorleistung. Weitere Serien folgten ab 1960 bereits mit einem 132 kW(180 PS)-Motor als Unterbaureihe V 15.20-21. Auffälligste Änderung war der ab V 15 von 1026 auf 1000 mm vergrößerte Treibraddurchmesser.

Verstärkte Maschinen wurden an die Industrie- und Anschlussbahnen unter der Bezeichnung V18 geliefert.

Dem Wunsch nach höherer Traktionsleistung nachkommend, entwickelte die LKM Babelsberg 1966 dann eine Lokomotive mit der Werksbezeichnung V22 B, die wiederum auf Weiterentwicklungen der bewährten Grundkonzeption ihrer Vorgängerinnen basierte. Allerdings erhielten erst ab 1967 die Werk- und Anschlussbahnen einen neu konstruiertem 162 kW (220 PS)Motor.

Die grundlegenden technische Daten der V15:
Hersteller: VEB Lokomotivbau „Karl Marx“ Babelsberg
Achsanordnung: B
Dienstgewicht: 20 t
Leistung: 150 - 220 PS
Höchstgeschwindigkeit: 35 km/h
Länge über Puffer: 6.940 mm
Triebraddurchmesser: 900 mm
Antrieb: dieselhydraulisch
Ausmusterung: ab 1992
Spurweite: 1.435 mm
Tankinhalt: 350 l
Anfahrzugkraft: V15: 66 kN
Baujahr: ab 1958 - 1976


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V15/V16        V15/V16

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Die Diesellokbaureihe V22




Die V22 wurde 1949 von der ehemaligen Wehrmacht (Zweiter Weltkrieg) übernommen. Die zweiachsigen Maschinen wurden mt den Nummern V22..01 bis V22..15 und die dreiachsigen Maschinen mit den Nummern V 22..015 und folgende versehen. Die dreiachisgen Modelle wurden jedoch bald ausgesondert.

Die zweiachsigen Loks wurden mit einem stärkeren Motor und einem dieselhydraulischen Getriebe versehen. Zwischen 1951 und 1953 wurden alle Loks umgerüstet und anschließend mit den neuen Nummern V20 in Betrieb genommen.

Die Loks wurden ab 1970 ausgesondert.

Technische Daten der V22
Hersteller: VEB Lokomotivbau "Karl Marx" Potsdam-Babelsberg
Achsanordnung: B
Dienstgewicht: 22 t
Leistung: 161 KW
Höchstgeschwindigkeit: 35 km/h
Länge über Puffer: 6.940 mm
Triebraddurchmesser: 1.000 mm
Antrieb: 6-Zylinder-Reihendieselmotor
Spurweite: 2.500 mm
Tankinhalt: 400 l
Baujahr: ab 1964


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Die Diesellokbaureihe V36


Diese Diesellok wurde vor dem zweiten Weltkrieg für die Wehrmacht zum Rangierbetrieb an Häfen, Flugplätze, Tanklager etc. gebaut. Dadurch konnten die unwirtschaftlichen Dampflokomotiven ersetzt werden, die vor allem an explosionsgefährdeten Stellen wie Tanklager und Flugplätzen besonders problematisch waren.

Die Lok wurde während des Zweiten Weltkrieges in ganz Europa eingesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sowohl die Deutsche Bundesbahn, als auch die Deutsche Reichsbahn (DR) diese Diesellokomotiven als Baureihe V36 benannt und eingesetzt. Kurzzeitig wurde sie in der ehemaligen DDR auch als V10 eingesetzt. Ab dem Jahre 1968 wurde die Lok bei der DB als Baureihe 236 nummeriert.

Wegen ihrer Konstruktion konnte die V36 sogar im Wendezugdienst vor und hinter Reisezügen eingesetzt werden.

Nach der Lieferung leistungsstärkerer Loks, vor allem der Baureihe V60, wurde die V36 dem leichten Rangierdienst zugeordnet. So diente sie vor allem als Arbeitszug in den Werkstättendienst.

Ab dem Jahre 1970er erfolgte dann ihre Ausmusterung bei der Deutschen Bundesbahn. In den 1980er Jahren wurde sie bei der Deutschen Reichsbahn (ehemalige DDR) ausgesondert.

Technische Daten der V36
Hersteller: überwiegend Orenstein & Koppel, aber auch BMAG, Deutz, Jung, Henschel, MAK
Achsanordnung: C
Dienstgewicht: 45 t
Leistung: 265 KW
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Länge über Puffer: 9.200 mm
Triebraddurchmesser: 1.100 mm
Antrieb: Diesel mit hydraulischer Kraftübertragung
Baujahr: ab 1937
Tankinhalt: 1.500 l


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