Herstellung einer Modellbahnlok



Die Herstellung einer Modellbahnlok



Einführung

Als Modellbahner legt man sich im Laufe der Zeit eine durchaus ansehnliche Anzahl von Lokomotiven zu. An manchen Modellen ist nicht vorbeizukommen. Es muss einfach beschafft werden.

Spätestens dann, wenn das eine oder andere Modell nicht mehr korrekt auf den Gleisen fährt, wird der Modellbahner gezwungen sein, sich näher mit den Innereien der Lok zu beschäftigen um Reinigungsarbeiten oder auch Reparaturen durchzuführen.

Wenn das Lokmodell dann geöffnet ist, wird er sich die Frage stellen, wie wird eigentlich ein solches Lokmodell hergestellt.

Nun kann der Eine oder Andere natürlich sagen, eigentlich ist mir das egal, die Hauptsache ist, das Modell fährt nach der Reinigung wieder. Es wird aber auch Modellbahner geben, die sich Gedanken über die Qualität des Modells und dessen Herstellungsprozess machen werden. Wir werden uns im nachfolgenden Aufsatz mal über den Herstellungsprozess einer Lok Gedanken machen und daraus auch Rückschlüsse über die Qualität von Lokmodellen ziehen.


Die Planungsphase

In dieser Phase werden umfangreiche Vorarbeiten vom Hersteller durchgeführt. Von der Intensität dieser Vorarbeiten hängt es ab, ob die künftige Lok auch wirklich orginalgetreu aussieht. So müssen hier die Mitarbeiter von Modellbahnherstellern mit Mikrofon, Fotoapparat und Schreibzeug ausschwärmen, um an Fahrgeräusche (bei digitalen Loks wichtig), Warnsignale, Konstruktionszeichnungen und an die Detailausstattung der Orginallokomotive heran zu kommen.

Anlaufstellen für derartige Erhebungen sind die Bahnverwaltung und Bahnhöfe, bei alten Modellen auch die Bahnmuseen und die Vereine von Eisenbahnfreunden. Ohne diese Vorarbeiten kann kein detailgetreues und hochwertiges Lokmodell entstehen. Natürlich kann auch das Internent hier eine wertvolle Hilfe leisten, allerdings mit der gebotenen Vorsicht. Nicht alles was im Netz steht ist korrekt recherchiert.

Modellbahnhersteller die billiges Modellbahnspielzeug auf den Markt bringen, werden hier sicherlich einen geringeren Aufwand betreiben.

Bei vielen Modellbahnherstellern werden in der Planungsphase auch eine Vielzahl von Fotos hergestellt um die Lok in allen Details kennen zu lernen. Von den Fahrgeräuschen werden ebenfalls Aufnahmen gemacht (im Stand, bei der Fahrt, bei Volllast etc, etc) um bei digitalen Loks die Lokdecoder mit entsprechendem Sound versehen zu können.

Die Konstruktionspläne einer modernen Großlok erhalten die Modellbahnhersteller im günstigen Fall als CAD-Datei vom Produzenten des Vorbilds. Bei Loks aus der Dampflokzeit muss in der Regel die Konstruktionszeichnung selbst erstellt werden. Produzenten die detailgetreue Modellbahnloks herstellen wollen, beschäftigen auch Dokumentare die Daten, Bilder, Zeichnungen und andere Beschreibungen von Lokomotiven und Waggons zusammenzutragen.

Aus den so gewonnenen Dokumenten entsteht im Entwicklungslabor ein Computerabbild - meist im Maßstab 1 : 87 - . Diese seit 1950 als H0 (H-Null) firmierende Modellbahngröße ist trotz Maxi- und Minimodellen (Spur 1, Z, N) auch heute noch die Entwicklungsspurgröße. Anders ausgedrückt, die meisten Lokmodelle werden in der Spurgröße H0 entwickelt und erst vor der Produktionsphase auf die entsprechenden Maßstabe gebracht (N, Z, TT etc.).

Wie wir erkennen können, steckt bereits in der Planungsphase sehr viel Zeit und Geld.

Anders als bei der "kleinen" Eisenbahn planen bzw. konstruieren die Lokhersteller bei der großen Eisenbahn wie Adtrans (ABB/Daimler-Benz), Siemens, Bombardier erst das Innenleben - entsprechend den Anforderungen der Besteller und dann erst die Außenhülle bzw. das Design einer Lok.

Demgegenüber nähern sich Modellbahnhersteller über die Außenhülle ihren Produkten. Den Modellbahnherstellern sind die Dimensionen und das Design vorgegeben. Das Innenleben richtet sich dann nach der Chassis und den daraus resultierenden freien Innenraum.

Bei modernen Lokomotiven (Elloks und Dieselloks) mit ihren quaderförmigen Chassis macht der Platz im Inneren in der Regel keine Probleme. Anders bei den Dampfloks. Hier ist der Innenraum relativ eng um Elektromotor, Getriebe und ggf. den Digitaldecoder unter zu bringen. In einigen Fällen ist hier der Platz so klein, dass spezielle Motoren hergestellt werden müssen. Manchmal nur für das eine Modell.

Ein weiterer Faktor ist das Material. Welches Material will man bei der Produktion der Lok verwenden (Zinkdruckguss, Stahl, Plastik). Hier ist eine Entscheidung zu treffen, da zum Einen die gesamte Konstruktion der Loks davon abhängt und zum Anderen der Herstellungsprozess bzw. die Formen und Materialbeschaffung darauf abgestimmt und organisiert werden muss

Grundsätzlich sind für die Neuentwicklung einer Modellbahnlok rd. fünf bis sechs Monate Zeit zu investieren. Vier oder fünf Mitarbeiter arbeiten daran als Team. Durch die Computertechnik kann die Zeitspanne verringert werden, wenn z.B. bereits CAD-Konstruktionszeichnungen der realen Lok vorliegen.

Lima-Modelle
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Die Konstruktionsphase

Naturlich greift die Planungsphase und die Konstruktionsphase ineinander. Dennoch ist, wenn die Grundlagen ermittelt und über das Material eine Entscheidung getroffen wurde, der Zeitpunkt für die Konstruktion der Lok gekommen. Zu dieser Zeit muss auch feststehen, ob:

- das Fahrgestell aus Metall und einem Plastikaufbau

- das Fahrgestell aus Plastik und einem Plastikaufbau

- das Fahrgestell und Aufsatz aus Druckguss

bestehen soll. Von dieser Auswahl hängt im wesentlichen die Motorlagerung, die Getriebekonstruktion und die Radaufhängung ab.

Manche Hersteller verwenden ausschließlich Plastik/Kunststoff für ihre Lokmodelle Also auch der Rahmen und die Motoraufhängung sind aus Plastik. Ein bekannter Vertreter dieser Herstellungsmethode ist die ehemalige Firma "Lima". Das nachfolgenden Bild zeigt Konstruktionsdetails einer Plastiklok.

Lima-Kunststoffmodelle
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Demgegenüber gibt es Hersteller wie Trix, die nicht nur Plastikmodelle, sondern auch Gußmodelle fertigen (Trix gehört heute zur Firma Märklin). Auch heute noch fertigt Trix noch Gußmodelle unter dem Namen "Trix". Die nachfolgehenden Bilder zeigen Konstruktionsteile aus Zinkdruckguss eines Trix-Express Modell's.

Trix-Express-Modelle     Gußgehäuse Trix-Express
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Aber auch die alte Firma Trix-Express hat bis auf die Räder und den Motor komplette Plastikloks gebaut.

Trix-Modelle
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Die Frage ob eine Metalldruckgusslok nun besser ist als eine Plastiklok, lässt sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Sicher ist aber, dass Modelle aus Plastik kostengünstiger und auch detailgenauer gebaut werden können. Loks aus Zinkdruckguss können auch detailgetreu gebaut werden, aber der Herstellungsprozess ist hier wesentlich teurer, da die Formen nur begrenzte Standzeiten haben. Formen für Plastikmodelle haben demgegenüber eine fast unbegrenzte Standzeit.

Sicher ist aber, dass Robustheit, Verformbeständigkeit und Haltbarkeit von Druckgussmodellen wesentlich höher ist, als bei Plastikmodellen. Übrigens, wenn wir hier von Druckgussmodellen reden, dann handelt es sich hier um Zinkdruckguss. Zink besitzt eine wesentlich niedrigere Siedetemperatur. Dementsprechend können die Modelle wirtschaftlicher hergestellt werden.

Aufgrund des teuren Herstellungsprozesses sind aber in jedem Fall Metalldruckgussmodelle teurer. Zudem werden hochwertige Modelle in der Regel von den Herstellern nur aus Zinkdruckgussmodelle hergestellt, da die Werthaltigkeit dieser Modelle gegenüber Kunststoffmodellen wesentlich höher ist. Ein weiterer Nachteil von Kunststoffloks ist, dass sie zu einem ausreichenden Fahrverhalten eine Gewichtseinlage erhalten müssen. Dies bedeutet eine wesentliche Einschränkung des Innnerraums. Dies ist besonders ärgerlich bei der Digitalisierung einer Lok. Für den Lokdecoder bleibt dann z.B. bei einer kleinen Tenderloks fast kein Raum mehr. Ein weiterer Nachteil bei Kunststoffloks ist die Verformungsgefahr bei Erwärmung. Bleiben wir bei den H0-Loks (bei N-Loks ist dieses Problem noch viel größer). Gerade die Wärmeentwicklung bei den Motoren dieser Loks, wenn sie über längere Zeit gefahren werden und auch noch eine Last zu ziehen haben, führt dazu, dass sich das Oberteil verformen kann. Wenn dann der Rahmen auch noch aus Kunststoff besteht, kann dies zum Totalverlust der Lok führen. Deshalb beim Kauf von gebrauchten Kunststoffmodellen darauf achten, dass sie keine Verformungen aufweisen.

Gewichtseinlagen
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Ein Tipp aus unserer Erfahrung:
Kein Kunststoffmodell kaufen, wenn nicht ein Rückgaberecht besteht. Insbesondere bei Ersteigerungen (z.B. bei Ebay) ist immer Vorsicht angebracht, wenn der Verkäufer darauf hinweist, dass die Lok nicht korrekt fährt oder Fahraussetzer hat oder nicht getestet wurde. Bei Druckgussloks sind in Hinblick auf Verformungen keine Probleme zu erwarten.

Einige Modellhersteller wie Gützold oder Piko haben bei vielen Loks das Verbundsystem gewählt. Dies bedeutet, dass der Rahmen mit Motorhalterung und Radaufhängung aus Blech (kein Zinkdruckguss, sondern Metallblech) und der Aufbau aus Kunststoff besteht. Diese Verbundkonstruktion ist bei der Herstellung wesentlich kostengünstiger als Druckguss, es können aber die Vorteile von Druckguss (Biegesteif und Verformungsbeständig auch bei Erwärmung des Motors) und Plastik (günstige detailgetreue Herstellung) vereint werden.

Piko-Verbundmodelle
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Unterschied Metalldruckguss / Kunstoffspitzguss

Das Metalldruckgießverfahren ist ein Verfahren bei dem schmelzflüssiges Metall (hier: im wesentlichen Zink) unter Druck in den Hohlraum einer Stahlform eingefüllt wird. Der Formhohlraum wird mit großer Genauigkeit mechanisch in einen Block aus hitzbeständigem Werkzeugstahl eingearbeitet. Durch einen kontrollierten Grussprozesss und den gleichmäßigen Schwindungseigenschaften der Zinklegierung können Gussstücke mit hervorragender Detailgenauigkeit hergestellt werden.

Die Fertigungsgeschwindigkeit bei Zink-Druckguss ist wegen der relativ niedrigen Schmelz- bzw. Erstarrungstemperatur (379 – 390 °C) relativ groß - im Vergleich zu anderen Metall-Gießverfahren.

Fertigungsprozess

Das Druckgießverfahren beginnt mit dem Schließen und Verriegeln des hitzebeständigen Gusswerkzeugs unter hohem Druck. Die flüssige Zinklegierung wird dann unter Druck in die Form eingeführt. Die Legierung erstarrt nach kurzer Zeit, das Gusswerkzeug kann wieder geöffnet werden und der Gussrohling wird ausgestoßen. Dann wiederholt sich dieser Vorgang.

Für die Herstellung von Zink-Druckguss werden zwei unterschiedliche Maschinentypen verwendet:
- die konventionelle Warmkammermaschine mit einem zweiteiligen Gießwerkzeug
- die Hochgeschwindigkeits-Mehrschiebermaschine.
Mit der konventionellen Warmkammermaschine werden in der Regel Gussteile mit mehr als 2 cm Hüllkörpermaß hergestellt. Die Mehrschiebermaschine wird bei der Herstellung von sehr kleinen Gussteilen eingesetzt.

Der Zinkdruckguss wurde in den 1930er Jahren entwickelt. Damals waren die Zink-Gusslegierungen noch nicht sehr ausgereift. Als Legierungszusätze wurden dem Zink Aluminium, Magnesium und gelegentlich Kupfer zugeführt. Diese Legierungszusätze verwandeln das Zink, das in reinem Zustand ein spröder Werkstoff mit geringer Festigkeit ist, in einen Konstruktionswerkstoff mit hoher Festigkeit und Härte, guter Verformbarkeit und guter Gießbarkeit. Allerdings können die mechanischen Eigenschaften der Zinklegierungen durch Verunreinigungen negativ beeinflusst werden. Leider war der Zinkdruckguss am Anfang nicht rein und so kommt es bei alten Loks aus diesen Jahren immer wieder zur sog. Zinkpest.

Betroffen von der Zinkpest sind wie bereits gesagt im wesentlichen Modelleisenbahnen sowie Modellautos und andere Werkstücke, die per Spritzguss aus einer Legierung aus Zink, Aluminium, Magnesium und Kupfer vor den Jahren 1960 hergestellt wurden. Bei neueren Modellen ist die Materialmischung entsprechend optimiert und die sog. Zinkpest ist heute kein Problem mehr.

Für Modellbahner ist die Erkennung der Zinkpest - vor allem beim Kauf von alten Modellen - sehr wichtig. Modelle mit Zinkpest haben meistens Risse oder Blasen. Ferner sind Abblätterungen bzw Abplatzungen am Gehäuse zu erkennen. Im Extremfall kann das ganze Modell sich im wahrsten Sinne des Wortes sich auflösen. Diese Korrosion wird als Zinkpest, Zinkfraß oder Zinkkorrosion bezeichnet. Ursache der Zinkpest ist eine schlechte Qualität der verwendeten Metall-Legierung, sowie Mängel bei der Produktion.

Leider gibt es keine Reparaturmethode bzw. sichere Vorbeugung gegen die Zinkpest. Um die Korrosion zu verlangsamen sind diese Modelle vor Temperaturschwankungen zu schützen. Die Umgebungstemperatur bei der Lagerung sollte 15 Grad Celsius nicht unterschreiten. Ferner ist eine direkte Sonneneinstrahlung und hohe Luftfeuchtigkeit zu vermeiden. Da es sich um einen Korrosionsprozess handelt, also eine Reaktion der Metall-Legierung mit dem Luftsauerstoff, bringt ein Einschweißen des betreffenden Gegenstandes in eine luftdichte Folie (unter Luftabschluss) den Vorgang nahezu zum Stillstand.

Gegenüber dem Zinkdruckguss ist naturlich der Kunststoffspritzguss wesentlich einfacher durchzuführen. Beim dem Spritzgießverfahren handelt sich dabei um das maschinelle Herstellen von Formteilen aus Kunststoff (Thermoplaste, Duroplaste, Elastomere bzw. thermoplastische Elastomere). Durch die Spritzgießmaschine wird der Werkstoff (Kunststoffgranulat oder -pulver) plastifiziert und mit Druck in eine Urform (Spritzgießwerkzeug) gespritzt. Beim Abkühlen härtet der flüssige Kunststoff aus und kann danach aus dem Werkzeug entnommen werden.

Mit dem Spritzgießverfahren können kleinste Plastikteile in großer Stückzahl sehr kostengünstig hergestellt werden. Das Spritzgießen eignet sich wegen der großen Designfreiheit optimal für den Modellbahnbau.





Die Fertigungsphase

Nach der Planungsphase und der Konstruktionsphase geht es an dann an die eigentliche Modellherstellung. Zuerst muss eine Form gebaut werden. Je nachdem ob Metalldruckguss oder Plastik, ist die Arbeit an der Form sehr zeitaufwendig. Der Zeitaufwand für die Herstellung einer Form für die Plastikrohlinge bzw. für Metalldruckgussrohlinge dürfte sich die Waage halten. Bei Druckgussmodellen müssen aber mehrere Formen hergestellt werden, da die Standzeiten für jede Form begrenzt ist (Hitzeentwicklung).
Im nachstehenden Bild ist die Herstellung des Zinkdruckrohlings zu sehen. Dieser Rohling wurde aus einer Zinklegierung gegossen.

Lokherstellung aus Zinkdruckguss
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Der Zeitaufwand nach der Herstellung des Rohlings ist dann aber sehr unterschiedlich.

Bei einem Metalldruckgussrohlimg muss das Rohgehäuse (Rohling) zuerst entgratet und dann gebürstet werden muss, um unerwünschten Reste des Zinkdruckgussses zu entfernen.

Demgegenüber ist der Zeitaufwand eines Gehäuses aus Plastik relativ gering. Bereits bei der Herstellung des Spritzrohlings (Gehäuse) kann die Farbe in die Plastikmasse eingebracht werden. Damit braucht man teilweise - insbesondere bei Dampfloks - nach dem Spritzguss keinen weiteren Verfahrensschritt "Farbgebung" mehr. Auch das "Entgraten" und "Bürsten" entfällt bei Plastik. Der Zeitaufwand für die Nacharbeitung von Plastikspritzlingen ist deshalb gegenüber Metalldruckguss minimal.

Ist der Rahmen und das Oberteil gefertigt müssen nun die sog. Kleinteile produziert oder von Zulieferfirmen geordert werden. Darunter fallen vor allem:
- Antriebsstangen (Schubstangen)
- Kolbenstangen,
- Radsätze
- Kupplungen
- Motor
- Getriebe
- Stromabnehmer
Panthographen
- Schrauben jeder Art

Getriebestangen
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Selbstverständlich stellt nicht jeder Modellbahnhersteller - schon aus Wirtschaftlichkeitsgründen - alle Teile einer Lok selbst her. Insbesondere die Anbauteile (Räder, Kupplung, Pantographen, Schrauben) werden in der Regel von Zulieferfirmen produziert, die sich auf die Fertigung dieser Teile spezialisiert haben und größere Stückzahlen für viele Hersteller produzieren.

Räder Getriebe, etc.
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Die Farbgebungsphase und Beschriftung

Nach der Herstellung der Einzelteile wie Lokberteil, Rahmen, Getriebe, Motor, Puffer, Räder etc. ist das Lakieren und Beschriften der jeweiligen Lokteile angesagt. Insbesondere die Lackierung der Spur: N und Z - Modelle ist fast eine "Uhrmacherarbeit".

Sicherlich gibt es Modelle die wenig Anstricharbeiten erforderlich machen, dazu gehören z.B. die Dampfloks. Aber es gibt auch Modelle - wie Elloks oder Dieselloks - die einen erheblichen Lackierungsaufwand haben insbesondere Loks und natürlich auch Wagen mit Werbeaufdruck).

Natürlich gehört es grundsätzlich der Vergangenheit an, dass Personen die Lackierung vornehmen. Aber jeder Anstrich erfordert einen maschinellen Arbeitsgang. Wenn z.B. eine Lok einen roten Anstrich erhält und zusätzlich noch ein weißes Band in der Mitte aufweisen soll, so bedeutet dies im Produktionsablauf zwei Arbeitsschritte. Jeder Produktionsschritt kostet aber Geld. So wirken sich viele Arbeitsschritte auch erheblich auf das Kostenniveau der Lok aus. Deshalb ist eine aufwendige Werbelackierung bei einer Ellok eben sehr teuer und dies spiegelt sich im Preis wieder.

Bei sehr kleinen Loks (N-Spur) kann es trotzdem vorkommen, dass einzelne Lackierschritte mit Hand vorgenommen werden müssen, da hier ein eigener maschiner Lackierungsprozess unwirtschaftlich ist.

Lackierung
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Als nächster Schritt erfolgt dann die Beschriftung, die ebenfalls i.d. Regel maschinell erfolgt. Eine Beschriftung mit der Hand scheidet hier aus, da die Klarheit des Schriftzuges nur über einen Druck möglich ist. Auf billigeren Loks sind Aufkleber zu finden, so z.B. bei manchen amerikanischen Herstellern wie Atlas. Die Metalldruckloks haben meistens einen erhabenen Schriftzug, der bereits im Metalldruck aufgebracht wird. Danach wird lediglich - wie beim Stempelvorgang - die Farbe aufgedrückt.

Bei den Kunststoffloks wird - wenn kein Aufkleber verwendet wird - ein "Stempeldruck" aufgebracht.

Beschriftung     Erhabener Schriftzug
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Der Zusammenbau der Lok

Nach der Lackierung- und Beschriftungsphase kommt dann der Zusammenbau der Lok. Hier ist die meiste Handarbeit angesagt. Da so viele kleine Teile zusammengebaut werden müssen (z.B. Räder, Motor, Getriebe, Beleuchtung, Elektronik, Kupplung etc.) ist eine maschinelle Abarbeitung dieser Phase in der Regel nicht wirtschaftlich. Hinzu kommt, dass je nach Loktyp eine Vielzahl von Einzelteilen zusammengefüft werden müssen. Insbesondere Dampfloks sind sehr zeitaufwendig beim Zusammenbau.

Wenn man sich vorstellt, dass der Puffer einer Spur-N-Lok nicht größer als ein Stecknadelkopf ist, dann ist nachvollziehbar, dass sich in Hinblick auf die Stückzahlen, die Einrichtung einer maschinellen Vorrichtung zum Anbringen eines Puffers an die Lok nicht lohnt (zumindest derzeit noch nicht).




Die Auslieferung der Lok

Die Produktion einer Lok dauert durchschnittlich mehrere Wochen. Danach sind so viele Loks des neuen Typs produziert worden, dass sie an die Händler ausgeliefert werden können.

Während aber die DB-AG i.d. Regel 145 Exemplare beschafft, muss ein Modellbahnhersteller tausende von Modellen an die Kundschaft bringen, damit er in die Gewinnzone kommt. Das Problem der ausreichenden Stückzahlen haben mittlerweile viele Modellbahnhersteller in Europa zu spüren bekommen.

Außer den Firmen Märklin, Piko, Hornby und einer handvoll kleinerer Hersteller, die noch eigenständig agieren, gibt es z.B. die Firmen Fleischmannn, Arnold, Lima, Rivarossi und Jouef nicht mehr als eigenständige Unternehmen. Die Namen einige dieser Unternehmen hat z.B. die Firma Hornby aufgekauft und produziert nun unter den Namen wie Arnold, Lima etc. entsprechende Modelle. Dadurch kann die Firma Hornby insgesamt - in der Summe dieser Markennamen - relatiiv hohe Stückzahlen produzieren und damit wirtschaftlich überleben. Oder es haben sich Firmen wie Fleischmann und Roco zu einer Holding zusammengeschlossen.
Der Vorteil bei Herstellern, die eine hohe Stückzahl produzieren (wie. z.B. Märklin) liegt auch darin, dass sie speziell auf ihre Lokomotiven abgestimmte Schaltkreise entwerfen können und so einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz haben, die mit Standard-Mikroprozessoren arbeiten muss. Durch Eigenproduktionen bindet die Firma Kunden an ihr Produkt. Dies hat aber heute eine Kehrseite. Durch die Digitalisierung ist heute auch bei Gleichstrommotoren mit einem Zweileiterprinzip ein sog. Mehrzubetrieb möglich. Damit können die Kunden Lokomotiven und Wagen von verschiedenen Herstellern beziehen und alle trotzdem auf einer Anlage fahren lassen. Die Digitalisierung macht es möglich. Demgegenüber haben Produzenten wie Märklin es immer schwerer auf dem Markt zu bestehen, da sie durch ihre eigenes System (in diesem Fall Dreileitersystem) eigene digitale Entwicklungen vornehmen oder bestellen müssen, die wegen der begrenzten Stückzahlen eben teurer sind als Konkurrenzprodukte.

Selbstverständlich hat die hochwertige Herstellung und die Detailtreue ihren Preis. Diese Modelle haben nur noch wenig mit dem Begriff" Spielzeug zu tun. Es handelt sich vielmehr um orginalgetreue hochwerte Modelle, die zum Spielen benützt werden können (nicht umgekehrt). Es wird kaum ein Vater seinen Sohn/Tochter nur so zum spielen eine Lok für 300,00 € geben.
Demgegenüber stehen die Billigmodelle von Modellbahnherstellern, insbesondere aus Asien, gegenüber. Diese "Modelle" sind in den meisten Fällen (Ausnahmen gibt es) billiges Spielzeug. Deshalb ist es unredlich solch detailgetreue und hochwertige Lokmodelle mit den Billigprodukten zu vergleichen, die in den Kaufmärkten wie z.B. bei Aldi und Norma um ein paar Euros (gleich mit Gleisen, Wagen und Trafo - als Komplettanlage -) angeboten werden. Hier handelt sich um Spielzeug. Mit Modellbahn im klassischen Sinn, das muss man sich klarmachen, hat dies nichts zu tun.
Deshalb ist es mir auch immer unverständlich, wenn Privatverkäufer die eine solche Spielzeugeisenbahn verkaufen wollen, weil z.B. der Junior nicht mehr mit ihr spielt, einen hohen Verkaufspreis erwarten, mit dem Argument, dass die Loks und Wagen bei Märklin, Trix oder Fleischmann ja auch zu einem relativ hohen Preis verkauft werden.

Unabhängig davon, dass die Detailtreue und die Herstellungsqualität bei diesen Billigprodukten nicht vorliegt, ist von diesen Käufen abzuraten, da die Loks bzw. Wagen keine hohen Laufleistungen zustande bringen und die Fahreigenschaften meistens katastrophal sind. Wenn aber der Fahrspass nicht zustande kommt, dann verliert Mann/Frau sehr schnell die Lust an der Modellbahn und ein künftiger Modellbahnfan geht verloren.



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