Das Lackieren, Restaurieren, Patinieren, Altern und Weathern von Lok und Wagen - Teil 1
     


Modellbautechnik

Das Altern, Restaurieren und Umlackieren von Eisenbahnmodellen

- Der Einstieg in das Weathering -


Titelbild


Inhaltsverzeichnis





Einführung
Der Anblick von Lokomotiven und Waggons auf dem Bahnhof oder auf der freien Strecke löst bei Modellbahnern eine große Faszination aus. Der Modelleisenbahnliebhaber wird deshalb auch auf seiner Anlage versuchen die Realität bis ins kleinste Detail nachzubauen. Bei dieser Arbeit kommt der Modellbahner dann auch mit Farben in Kontakt. So muss er u.a. Häuser, Gleise, Bahnhöfe, Landschaftsteile entsprechend bemalen, damit sie realitätsnah in Erscheinung treten.

An das sog. rollende Material (Loks, Wagen) wagen sich viele Modellbahner jedoch nur dann mit dem Pinsel heran, wenn der farbliche Zustand der Lok oder des Wagens unbedingt einer Restaurierung bedarf.

Leider wird diese Arbeit aber dann meistens ohne große Fachkunde vorgenommen und der Misserfolg ist vorprogrammiert. Nach einem missglückten Versuch an einer Lok, wird sich dann mancher Modellbahner wieder von derartigen Arbeiten verabschieden.

Aber gerade die reale farbliche Gestaltung von Loks und Wagen ist wichtig um den realistischen Gesamteindruck einer Anlage zu erreichen. Fahren nur Loks und Wagen auf der Anlage die wie „frisch geputzt“ aussehen, wird die Anlage – auch wenn das Diorama realitätsnah dargestellt wurde – keinen positiven Eindruck auf die Betrachter machen.

Betriebsspuren wie Bremsstaub, Ruß, Flugrost, Öl- und Schmierstellen und auch Witterungseinflüsse sind aber in der Wirklichkeit die Regel und nicht die Ausnahme.

Bereits hier bei der Einführung eine grundsätzliche Aussage:
Altern oder Weathern bedeutet fast immer das Verwenden von stumpfen und matten Farben. Glänzende Farben sind bis auf wenige Ausnahmen, z. B. frische Ölspuren oder Fett hier nicht anzuwenden.

gealtertes Modell
Vergrößern -- Bild anklicken


zum Inhaltsverzeichnis



Arbeitsmittel
Bevor wir uns mit den Lacken und Farben beschäftigen, müssen wir uns noch die erforderlichen Arbeitsmittel ansehen. Um mit den Arbeiten am Modell beginnen zu können, benötigen wir natürlich eine entsprechende Ausrüstung. Welche Gerätschaften sind zum Umlackieren, Altern und Restaurieren von Modellbahnartikel eigentlich erforderlich? Das nachfolgende Bild zeigt die erforderlichen Gerätschaften.

Arbeitsmittel      Arbeitsmittel      Arbeitsmittel
Pinsel, Farben Pulverfarbe -- Airbrush zum Aufspitzen von Farbe auf das Modell
Vergrößern -- Bild anklicken


Arbeitsmittel zum Umlackieren und Restaurieren
   - Pinselsortiment mit den unterschiedlichen Stärken
   - Farben
   - Küchentuch (zum Reinigen der Geräte und Pinsel)
   - Holzstäbchen (zum Umrühren der Farge und gezielten Entnehmen von Farbe aus der Dose und aufbringen auf den Mischteller)
   - Mischteller (Verschlussdeckel eines Glases, Untersetzer für Gläser oder ähnliches)
   - Verdünner (zum Reinigen und Mischen von Farben)
   - Reinigungsbenzin (zum Reinigen der Modelle vor dem Bemalen)
   - Abklebeband
   - Wattestäbchen
   - Optional ein Airbrush-Set (muss aber nicht sein)

Farbenset
Vergrößern -- Bild anklicken

Arbeitsmittel zum Altern von Fahrzeugen

   - Pinselsortiment mit den unterschiedlichen Stärken
   - Borstenpinsel
   - Wattestäbchen
   - Emailfarben (z.B. von Revell – gibts in der Regel im Baumarkt)
   - Küchentuch (zum Reinigen der Geräte und Pinsel – gibt’s bei Aldi oder Norma)
   - Holzstäbchen (zum Umrühren der Farge und gezielten Entnehmen von Farbe aus der Dose und aufbringen auf den Mischteller)
   - Mischteller (Verschlussdeckel eines Glases, Untersetzer für Gläser oder ähnliches)
   - Verdünner (zum Reinigen und Mischen von Farben)
   - Reinigungsbenzin (zum Reinigen der Modelle vor dem Bemalen)
   - Abklebeband
   - Lötkolben (zum Anbringen von Dellen oder anderen Beschädigungen an Güterwagen)
   - Pulverfarben (können im Baumarkt bezogen werden).

zum Inhaltsverzeichnis



Der Pinsel
Nun wissen wir zwar, welche Gerätschaften wir benötigen. Wir wissen aber noch nicht, wie wir nun vorgehen sollen. Ein Arbeitswerkzeug ist der Pinsel.

Der Pinsel ist nach wie vor - auch im Zeitalter der "Airbrusher" das wichtigste Werkzeug. Hier bitte nicht auf das billigste Angebot schielen. Qualität ist hier gefragt.

Zu empfehlen sind Aquarell-Pinsel – also Künstlerpinsel – in den Größen 0 bis 6. Aquarellpinsel werden in Plastik-Schutzröhrchen angeboten, so wird das Pinselhaar geschützt. Die feinen Pinsel werden zum Beschriften benützt. Die größeren Stärken zum flächenhaften Bemalen. Die empfindlichen Künstlerpinsel sind schonend zu behandeln, sonst hat man keine lange Freude damit. Mit diesem Pinsel wird die Farbe streichend, also ziehend, aufgetragen. Das „Schieben“ von Pinsel auf der aufzutragenden Fläche sollte vermieden werden, da hier den Pinselhaaren geschadet wird. Von den Anfängern wird auch oft der Fehler gemacht, die Pinsel zum Aufrühren von Lack zu verwenden. Damit ruiniert man die Pinsel in kürzester Zeit. Die Pinselhaare spleißen dabei auf und werden unbrauchbar.

Zum Reinigen der Pinsel werden sie in Pinselreinigerflüssigkeit oder Pinselverdünnerflüssigkeit eingetaucht und ein paar Mal getupft. Dann sofort auf einem Reinigungstuch trocken gestrichen. Danach mit Daumen und Zeigefinder wieder in die ursprüngliche Ausgangsform streichen. Niemals die Pinsel stundenlang oder wochenlang in der Reinigungsflüssigkeit verweilen lassen !!!

Pinsel
Vergrößern -- Bild anklicken

Vor dem Aufstecken der Plastikschutzhülle einen Tropfen leichten Maschinenöls (wird für die Loks verwendet) auf die Pinselhaare geben. Dadurch bleiben sie geschmeidig.

Zum Lagern der Pinsel schafft man sich ein leeres Gurkenglas oder ähnliches an. Darin werden die Pinsel gestellt. Aber bitte nicht mit den Borsten voran, sondern umgekehrt. Die Pinselhaare müssen aus dem Glas heraus sehen.

Sollte dennoch mal ein Pinsel versehentlich nicht gründlich gereinigt worden sein und sich abgetrocknete Restfarbe darauf befinden, so ist er nicht mehr zum bemalen geeignet, da diese Restfarbkrümmel jedes Mal den Arbeitserfolg verderben. Zum Reinigen von Loks kann er aber allemal noch verwendet werden.

zum Inhaltsverzeichnis



Kleine Farbenlehre
Nun besteht natürlich noch ein weiteres Problem für den Anfänger in Sachen Lackierung von Eisenbahnmodellen und zwar - welche Farben benötige ich um eine bestimmte Farbe zu erzeugen? Hierzu nachfolgend eine kleine Farbmischtabelle:

rot + gelb ==> orange
schwarz + deckweiß ==> grau
rot + deckweiß ==> rosa
gelb + blau ==> grün
grün + deckweiß + hellgrün ==> schönes grün
grün + blau ==> braun
geld + deckweiß ==> cremegelb
wenig braun + deckweiß ==> cremebraun
blau + etwas grün + deckweiß ==> türkis
kaminrot + wenig deckweiß +normales rot +etwas rosa ==> helles weinrot (cremefarbe)
dunkelblau+deckweiß ==> hellblau

Bei Ölfarben:
Kadmiumrot + Kadmiumgelb ==> Orange Farbton
Kadmiumrot + wenig Ultramarinblau ==> dunkles Rot
Kadmiumrot + größere Menge Ultramarinblau ==> dunkles Blau/Rot
Kadmiumrot zu gleichen Teilen Ultramarinblau ==> Lila Farbton
Kadmiumrot + Chromoxydgrün stumpf ==> rotes Braun / Erdfarbe
Kadmiumrot + Chromoxydgrün feurig ==> dunkles Braun / Erdfarbe
Kadmiumrot + Titanweiß ==> helles Rot bis Rosa
Kadmiumgelb + Ultramarinblau ==> grüner Farbton
Kadmiumgelb + Chromoxydgrün feurig ==> saftiges Grün
Kadmiumgelb + Chromoxydgrün stumpf ==> Olivgrün
Ultramarinblau + Chromoxydgrün ==> dunkles grün
Chromoxydgrün stumpf + Lichten Ocker ==> Olivgrün
Chromoxydgrün feurig + Lichten Ocker ==> stumpfes Grün
Elfenbeinschwarz + Lichten Ocker ==> stumpfes/dunkles Grün
Elfenbeinschwarz + Kadmiumgelb ==> Olivgrün
Elfenbeinschwarz + Titanweiß ==> Grau
Elfenbeinschwarz + Titanweiß ==> wenig Ultramarinblau = kaltes Grau
Elfenbeinschwarz + Titanweiß ==> wenig Kadmiumrot = warmes Grau

Desweiteren sollte der Modellbahner, der sich mit Umlackierungen und Weathering von Modellen beschäftigt auch wissen, dass die Farben genormt sind und zwar nach RAL.

Bei den RAL-Farben handelt es sich um Farbbezeichnungen des „Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung“. Die frühere Bezeichnung dieses Instituts war „Reichs - Ausschuss für Lieferbedingungen und Gütesicherung - (RAL)“

Im Jahre 1927 übernahm der RAL im Auftrag von Staat und Wirtschaft eine Farbkarte für Lacke und Farben. Im Sinne der Vereinheitlichung von Lieferbedingungen wollte man der Lack- und Pigmentindustrie eine Grundlage zur Rationalisierung ihrer Produktion geben und Abstimmungsprobleme bei der Verwendung von Farben vermeiden.

Im Jahre 1927 umfasste die RAL-Farbkarte nur 40 Farben. Im Laufe der Jahre kamen neue Farbtöne hinzu, vor allem Farbtöne von großen Behörden und staatlichen Unternehmen wurden in das System aufgenommen. Noch heute sind in den Farbkarten, die vom RAL herausgegeben werden, 30 der 40 Töne aus dem Jahr 1927 enthalten. Mittlerweile ist man bei 210 Farbtönen mit vierstelligen Bezeichnungen angelangt, deren erste Ziffer die Zuordnung zu einem Farbbereich angibt
Die nachfolgende Tabelle zeigt alle 210 RAL-Farbnummern mit der jeweiligen Farbbezeichnung. Diese Darstellung kann allerdings nur einen ungefähren Eindruck der Farbtöne wiedergeben. Die genauen Farbtöne sind auf den Browsern nicht darstellbar. Hinzu kommt, dass der dargestellte Farbton immer auch abhängig von der Bildschirmeinstellung des Betrachters.

Farbtabelle      Farbtabelle
Vergrößern -- Bild anklicken


zum Inhaltsverzeichnis



Achtung beim Farbenkauf
Die Farben von Revell sind eine preiswerte Wahl für Einsteiger und in sehr vielen Farbtönen am Markt erhältlich. Fast jeder Baumarkt führt diese Farben. Es gibt sie in attraktiven kleinen Gebinden. Die Farben trocknen bei Raumtemperatur, lassen sich gut verdünnen und sind mit dem Pinsel gut verarbeitbar. Diese Farben können auch vorverdünnt für die Arbeit mit dem Airbrusher verwendet werden. Die Farben von Revell haben aber einen Nachteil der schon auf ihren Etiketten und in jeder Bauanleitung erkennbar ist. Revell hat im Farbensortiment kein einheitliches Farbschema. Bei dem Altern von Modellen spielt dies aber keine Rolle. Probleme wird es aber geben, wenn es mehrere gleiche Modelle gibt. Hier kann es dann zu unterschiedlichen Farbtönen kommen.
Die Farben des Herstellers "Xtracolor" werden in den selben Döschen wie die von Revell angeboten und schon auf dem Etikett ist zu erkennen, dass die Farbangabe FS oder RLM mit Name der Farbe geschrieben steht. Mit diesen Farben sind alle möglichen Farbtöne möglich. Bei diesem Hersteller entfällt jegliches zusammenmischen der Farben um einen bestimmten Standardfarbton zu bekommen. Ein weiterer Pluspunkt dabei ist das Xtracolor die Farbtöne auch recht genau trifft. Bei der Verarbeitung der Xtracolorfarben wird man nun feststellen das diese Farben sehr oft Hochglänzend angeboten werden und diese Farben auch tatsächlich sehr hochglänzend sind. Leider sind diese Farben teilweise nur in einschlägigen Modellbaufachgeschäften zu finden - mit den entsprechenden Preisen .

Ein weiterer Hersteller der nach diesem Prinzip arbeitet ist Testors/ModelMaster. Diese Farben werden in kleinen Gläsern vertrieben und auch hier gibt es eine genaue Farbbezeichnung auf dem Etikett.

Farbenset
Vergrößern -- Bild anklicken

Ebenso gestaltet sich das Sortiment der Wasserlöslichen Farben von JPS (alias "DonColor") oder von Aeromaster - auch finden sich eindeutige Farbangaben auf dem Etikett. Ein weiterer Hersteller, der seine Farben auch in den Baumärkten vertreibt (z.B. OBI) ist Humbrol. Diese Farben werden ebenfalls wie bei Revell in kleinen Dosen vertrieben. Humbrol bedient sich eines Farbsystems das einfach nach Zahlen geordnet ist (siehe Revell). Hier allerdings findet man auch bereits "fertige" Farbtöne - man muss sie anhand von Farbtabellen eben nur erst mal herausfinden.

Farbenset
Vergrößern -- Bild anklicken


Weitere Farbhersteller nachfolgend:

Modell-Master
Vergrößern -- Bild anklicken

Modelmaster Acryl --- Model Air --- Acryl/Vallejo ---- Lifecolor Acryl --- Tamiya --- Gunze Sangyo

Ein gesonderter Bereich der Farben stellen die Metalltöne dar. Derartige Farben hat fast jeder Hersteller im Sortiment - die Unterschiede sind aber enorm.
Eine Farbe besteht wie oben bereits erwähnt aus dem Pigment, dem Lösungsmittel und dem Binder. Bei den Metallfarben ist nun zu unterscheiden zwischen Farben mit und Farben ohne Binder.
Als Pigment dienen immer - je nach Farbton und/oder Qualität - kleinste Metall- oder Aluminiumteilchen.
Ein Metallfarbe mit Binder funktioniert genauso wie eine "normale" Farbe. Sie kann ohne Probleme verdünnt werden und auch mit dem Pinsel verarbeitet werden. Hersteller derartiger Farben ist z.B. Revell oder Humbrol
Es gibt aber auch eine Metallfarbe ohne Binder. Diese Farben haben eine Lösungsmittel mit einer hohen Agressivität. Das Lösungsmittel "ätzt" beim auftragen der Farbe die Grundlage an (Plastik) und die mikroskopisch kleinen Metallteilchen in der Farbe werden praktisch auf die Grundlage aufgeschweißt.
Größere Flächen können hier nur aufgesprüht werden. Mit einem Pinselauftrag entstehen Schlieren.
Diese Farben sind dann nach dem Austrocknen in der Regel auch polierbar.

Modell-Master
Vergrößern -- Bild anklicken
Eine weitere Farbgattung sind die Pulverfarben. Sie werden auch Pulverfarben genannt. Es sind mehlig fein gemahlene Farbpigmente, die trocken mit einem Pinsel aufgetragen werden. Die zu alternden Stellen werden einfach mit diesen Farben "eingepudert". Je stärker mit dem Pinsel die Farbe auf den Untergrund aufgedrückt wird, umso intensiver ist die die Wirkung. Die Verarbeitung ist einfach. Die Pulverfarben lassen sich bei Bedarf mit Wasser oder Waschbenzin wieder entfernen. Diese Farben sind aber nicht abriebfest. Deshalb ist eine abschließende Behandlung mit Klarlack aus der Sprühdose erforderlich.
Wagen oder Loks sind vor dem Betupfen mit den Puderfarben sauber und fettfrei zu reinigen, da die Farbe ansonsten an diesen Stellen mehr anhaftet als auf den sauberen Stellen. Das Modell auch nicht mit bloßen Händen anfassen. Am besten besorgt man sich einen Baumwollhandschuh, damit keine Fettflecken auf das Modell gebracht werden. Die Farbe wird mit einem relativ harten Pinsel auf das Modell aufgetupft. Dabei kann durchaus mehr aufgetragen werden, da ein Teil der Farbe beim Besprühen mit Klarlack abgeblasen wird.

Eine weitere Möglichkeit bei der Alterung von Modellen jedweder Art bieten Wasserfarben, wie sie jeder von der Schulzeit noch kennt. Der Glanz neuer Modelle aus Kunststoff-Spritzguss, der jeder Realität entgegen steht, kann mit Wasserfarben behoben werden - und zwar ohne den Wert der Modelle dauerhaft zu mindern. Eine Vielzahl von Modelleisenbahner scheut den Alterungsprozess bei den Modellen, weil der Wiederverkaufswert - insbesondere bei Sammlern - bei dem betreffenden Modell stark sinkt.
Dieser Nachteil kann durch den Gebrauch von Wasserfarben behoben werden. Wasserfarben können jederzeit leicht vom Objekt entfernt werden und so das Modell wieder in den Ursprungszustand versetzt werden.

Wie geht man nun bei Wasserfarben vor:
Eigentlich genauso wie bei jeder anderen Farbe auch. In der Regel wird das Modell so zerlegt, dass das entsprechende Teil bemalt werden kann, ohne andere Modellteile zu beeinträchtigen. Als nächstes sind die Modellteile zu entfetten, da sonst die Wasserfarbe nicht anhaftet.
Zum Entfetten eignet sich warmes Wasser (nicht heißes Wasser), dem ein kleiner Spritzer Spülmittel beigegeben wird. Dann die so behandelten Teile ausreichend trocknen lassen.
Zur weiteren Bearbeitung "Einmalhandschuhe" anziehen, damit kein Fettfleck mehr auf die entfetteten Flächen kommt.
Für die Alterung bzw. neue Farbgebung ist Wasserfarbe mit feinen Pigmenten ideal. Als Farbtöne sind insbesondere die Varianten der Farben schwarz, braun und weiß (z. B. für Kalktransporte) interessant. Die Wasserfarbe ist vor dem Aufbringen "dick" anzurühren.
Sie wird dann entweder mit einem Pinsel, einem Schwammpinsel oder einem Tuch (Wischtechnik) aufgebracht. Besonders bewährt hat sich beim Verfasser der Schwammpinsel.
Eine realistische Schmutzdarstellung erhält man, wenn die aufgebrachte Farbe kurz vor der Rest-Trocknung mit einem Papiertuch wieder abwischt wird.
Leider halten die Wasserfarben nur dann dauerhaft, wenn das entsprechende Modell nicht oft mit feuchten oder fettigen Fingern angefasst wird. Dafür ist die Farbe aber sehr schnell wieder abwaschbar. Alles kann man halt nicht haben.
Wer die neue Farbgebung bzw. Alterung seines Modells dauerhaft sichern will, kann die Oberfläche mit transparenten, seidenmatten Sprühlack ansprühen. Ein "Schutzlack" ist in jedem Baumarkt zu bekommen. Allerdings ist die Wiederherstellung des Ursprungszustandes dann nur noch erschwert bzw. bei manchen Modellen überhaupt nicht mehr zu erzielen.

zum Inhaltsverzeichnis



Lackarten
Bevor wir mit der Praxis beginnen, müssen wir uns natürlich zuerst mit den dafür erforderlichen Arbeitsmitteln auseinandersetzen. Und hier ist zuerst mal als wichtigstes der Lack zu nennen.

Die Einteilung der Lacke erfolgt in der Regel nach den Rohstoffgrundlagen. Folgende Lackarten sind im Handel erhältlich:
   - Öl-Lacke
   - Naturharz-Lacke
   - Acryl-Lacke
   - PUR-Lacke
   - Kunstharz-Lacke
   - Epoxyd-Lacke
   - NC-Lacke
   - Chlorkautschuk-Lacke
   - Eisenglimmer-Lacke
   - Plakafarbe
   - Trockenfarben
   - Alkoholfarben

Sehen wir uns die einzelnen Lacke näher an:

Öllacke bzw. Ölfarben sind mit Ölen verkochte Naturharze, die mit Lösemitteln und mit Pigmenten, versetzt sind. Aus gesundheitlichen Überlegungen sind diese Lacke sehr zu empfehlen, da sie selten Giftstoffe aufweisen. Im Modellbahnbau werden diese Lacke meistens für das "Altern" von Loks und Wagen verwendet.

Naturharzlacke sind qualitativ hochwertige Öllacke auf der Basis von pflanzlichen Harzen und Leinöl, versetzt mit Lösemitteln, Pigmenten und meistens mit Sikkativen (beeinflussen den Trocknungsprozess). Sie weisen kaum Giftstoffe auf. Da die schonende Aufbereitung der Rohstoffe sehr aufwendig ist, wirkt sich dies auf einen höheren Preis aus. Naturharzlacke sind in der Regel doppelt so teuer wie Kunstharzlacke.

Alkydharzlacke sind Kunstharzlacke auf der Basis von Leinöl. Sie werden im Modellbaubereich als Lacke für Holz und Metall verwendet. Sie stellen den größten Anteil der zu verarbeitenden Lacke dar. Die Glanzgrade gehen von matt, seidenmatt bis hochglänzend. Die Lackschicht ist gegen mechanische Beanspruchung sehr widerstandsfähig. Dementsprechend sind sie auch gut geeignet für das Lackieren von Lokomotiven und Wagen. Diese Lacke haften gut auf den üblichen Kunststoffen wie z.B. Polystyrol. Sie trocknen aber sehr schnell aus. Für Alterungen von Modellen sind sie eher ungeeignet.

Nitrozelluloselacke bzw. Nitrolacke sind schnell trocknende, wasserfeste Lacke, die jedoch schwer zu verarbeiten sind, da sie beim Überstreichen durch das im Lack enthaltene Lösemittel die erste Schicht wieder anlösen können. Sie bestehen aus Nitrozellulose, Lösungsmitteln, Harzen, Weichmachern und Verdünnungsmitteln. Sie und die aus einer Kombination mit Kunstharzen entstandenen Nitrokombinationslacke. Sie können im Modellbau zum Lackieren von Metallen verwendet werden. Für Kunststoffe sind sie nicht geeignet, da sie zu aggressiv sind und auch Kunststoffteile auflösen können. Die Nitro-Lacke bestehen aus einer Kombination von Nitrozellulose und Alkydharzen. Sie werden überall dort verarbeitet, wo einerseits sehr schnelle Trocknung verlangt und andererseits auf Glanz und Wetterbeständigkeit Wert gelegt wird. Die Trocknung erfolgt durch Verdunsten der Lösungsmittel. Durch scharf wirkende Lösungsmittel ist der Lackfilm wieder löslich. Die Lackierung mit Nitro-Lacken ist nicht sehr belastbar. Ältere Märklin Modelle wurden mit Nitro-Lacken farbrikmäßig bemalt.

Polymerisathharzlacke, Polyurethanlacke (DD-Lacke), Epoxidharzlacke und Polyesterlacke sind Zweikomponentenlacke auf der Basis verschiedener Kunstharze. Sie sind für unterschiedliche und höchste Ansprüche wegen ihrer Säurefestigkeit, Hitzebeständigkeit, Stoß-, Schlag- und Abriebfestigkeit geeignet. Die Inhaltsstoffe sind leider teilweise sehr giftig. Für den Hobbymodellbahnbauer nicht interessant.

Farbenauswahl
Vergrößern -- Bild anklicken


Acrylharzlacke gehören zu Gruppe der Kunstharzlacke. „Acrylharze“ ist der Sammelbegriff für verschiedene Kunstharze, von denen sicherlich der bekannteste „Plexiglas“ ist. Bei den Acrylharzlacken werden die Harze mit speziellen Zusätzen zu Lacken verarbeitet, so dass sie mit Wasser verdünnbar sind. Acryllacke gehören zu den schadstoffarmen Lacken, da sie nur bis zu 10 Prozent organische Lösemittel enthalten. Da Acryllackoberflächen von ihrer Belastbarkeit her den Alkydharzlackoberflächen fast ebenbürtig sind, setzen sie sich auch wegen ihrer Schadstoffarmut immer mehr durch. Für alle farbigen Lackierungen gibt es die RAL-Farbtonkarte. Als Acryllack können die Acrylharze entweder in Lösemitteln gelöst oder in Wasser dispergiert (fein verteilt) sein. Acryllacke auf Wasserbasis sind weniger gesundheitsschädigend. Acrylfarbe entwickelt beim Trocknen einen leichten Glanz und es kann so ein plastischen Effekt erzielt werden. Nach dem Trocknen ist die Farbe wasser- und abriebfest und je nach Verdünnung entsprechend deckend. Sie eignet sich somit vor allem für die farbliche Gestaltung von Bausätzen, die aus natürlichen Werkstoffen wie Holz oder Pappe bestehen, oder bei denen ein Material in seiner Struktur (zum Beispiel Holz) imitiert werden soll. Aber auch Zinkdruckgussmodelle können mit Acryllack lackiert werden. Der Vorteil von Acryllacken besteht auch darin, dass sie meistens keine starke Geruchsentwicklung aufweisen. Mit den wasserlöslichen Acrylfarben lässt sich ein großes Farbspektrum, vor allem dort, wo es auf eine authentische Farbgestaltung, etwa bei Dioramen, ankommt abdecken.

Der PUR-Lack - Diese Polyurethan-Decklacke werden auch als Desmophen-Desmodur-Lacke, kurz „DD-Lacke“ bezeichnet. Sie sind durch ihre Härte besonders beständig gegen Wasser, Chemikalien und Lösungsmittel. Außerdem zeichnen sich diese Lacke durch große Fülle und Glanz, sowie durch gute Haftfestigkeit auf sämtlichen Untergründen aus. Polyurethan-Lacke sind besonders für den Schiffsmodellbaubereich geeignet, da sie unempfindlich gegen Feuchte sind. Für den Modellbahnbereich sieht der Verfasser keine große Bedeutung. Polyurethane können je nach Herstellung hart und spröde, aber auch weich und elastisch sein. Besonders die Elastomere weisen eine vergleichsweise hohe Reißfestigkeit auf. In aufgeschäumter Form ist Polyurethan als dauerelastischer Weichschaum (z.B. für Sportschuhsohlen) oder als harter Montageschaum bekannt.

Die Epoxy-Lacke zeichnen sich durch schnelle Trocknung, sehr gute Haftfestigkeit, Härte und Elastizität aus. Außerdem durch sehr gute Beständigkeit gegen Chemikalien und Lösungsmittel in der Dauerbelastung. Die Epoxy-Lacke können in hohen Schichtdicken aufgetragen werden, sind besonders abriebfest und bieten einen ausgezeichneten Korrosionsschutz.

Die Chlorkautschuk-Lacke - Chlorkautschuk ist eine nicht ganz exakte Bezeichnung hierfür, weil es sich bei dieser Art von Polymeren um thermoplastische Materialien und nicht wie der Name vermuten lässt, um Elastomere handelt. Diese Lacke sind extrem wasser-, chemikalien- und wetterbeständig. Das gilt besonders für beanspruchte Lackierungen, die Dauerbelastungen durch Wasser und Chemikalien ausgesetzt sind. Auch gegen Laugen und Säuren sind Chlorkautschuk-Lacke weitgehend beständig. Sie trocknen mit Hochglanz ab und sind glanzbeständig. Die Härte und Elastizität ist sehr gut.

Eisenglimmer-Lacke sind für die Anwendung im Modelleisenbahnbereich nicht interessant. Sie dienen vor allem dem Korrosionsschutz. Im Metallbau sind sie unverzichtbar.

Die Kunstharz-Lacke gehören zur Gruppe der Kunstharzfarben. Sie sind die am häufigsten verwendeten Lacke bei den Modellbahnern. Sie werden auch als Alkydharzlacke bezeichnet und sind für Modellbaumaterialien wie Kunststoffe (Polystyrol), jede Art von Metallen, Gips, Holz und Porzellan geeignet. Ein sehr reichhaltiges Angebot matter, seidenmatter und glänzender Farbtöne deckt das komplette Modellbauspektrum ab. Die Verarbeitung der Farben mit dem Pinsel oder mit der Spritzpistole stellt keine besonderen Anforderungen an den Modellbahner.

Dispersionsfarbe sind im Handel in Plastikflaschen bzw Plastikeimer zu bekommen. Die Grundfarbe ist weiß. Durch Zumischen von sog. Abtönfarbe (wird in Plastikflaschen verkauft) kann jeder Farbton gemischt werden. Dispersionsfarbe lässt sich wie Plakafarbe verwenden. Man nutzt Dispersionsfarbe vor allem bei der Landschaftsgestaltung zum Einfärben von Gips, Vogelsand und stark verdünnt zum Bemalen von Gipsteilen, Wasserflächen, Ackerflächen etc. Übrigens: Latexfarbe ist eine Sonderform der Dispersionsfarbe. Dispersionsfarben eignen sich für Gebäude. Da die Konsistenz relativ dickflüssig ist, lassen sich dadurch mit Auftupfen auch sehr gute Putzstrukturen an den Fassaden der Modellgebäude nachbilden. Dispersionsfarben und die dazugehörigen Abtönfarben sind in allen Baumärkten zu bekommen.

Plakafarbe ist eine Kaseinfarbe, die in nicht allzu vielen Farbtönen und ohne große Brillianz in Gläsern oder Dosen gekauft werden kann. Sie lässt sich allerdings mit Gouache und Tempera abtönen, womit man eine etwas breitere Farbskala erreicht. Als stark deckende Farbe ist sie nach dem Trocknen wasserfest aber nicht abriebfest. Auf der Modellbahn wird sie am häufigsten zum Bemalen von kleinen Flächen und Landschaftselementen genutzt. Eigentlich für den Modellbahner uninteressant.

Trockenfarben sind pulverförmige Farbpigmente mit Füllstoffen. Direkt aus dem Glas mit einem Pinsel verarbeitet, sind sie bestens für die Landschaftsgestaltung geeignet. Nach dem Farbauftrag benötigen sie allerdings einen Schutzauftrag mit Klarlack oder eine spezielle Fixierung, damit sie vom Obekjt nicht mehr abgeht. Trockenfarben sind vor altem für das Altern bzw. Weathern von Loks, Wagen und Häusern sehr gut geeignet.

Alkoholfarben sind wegen ihrer feinen Pigmentierung und dem flüchtigen Lösungsmittel Alkohol sehr gut geeignet für hauchdünne, hochdeckende Farbaufträge. Eine sehr kurze Trocknungsphase (Staubtrocken in zwei bis fünf Minuten) ermöglicht eine staubfreie Lackierung, die vor allem bei Loks und Wagen wichtig ist. Für die Lackierung von Kunststoffmodellen mit den amerikanischen „Floquil-Farben“ sollte ein spezieller Schutzgrund benutzt werden, da einige Zusatzstoffe die meist aus Polystyrol bestehenden Modelle anlösen.

zum Inhaltsverzeichnis





Zusammensetzung von Lacken
Obwohl es große Vielfalt an Lacken gibt, sind doch alle Lacke ähnlich zusammengesetzt. Das Grundgerüst jedes Lackes besteht aus:

 - Bindemitteln
 - Pigmenten
 - Lösemitteln
 - Hilfsstoffen

Sehen wir uns die einzelnen Bestandteile näher an:

Die Bindemittel
Bindemittel in der Farbe nennt man die nicht flüchtigen (verdampfenden) Teile eines Lackes. Die Eigenschaften der Bindemittel sind entscheidend für die Funktionsfähigkeit von Lacken. Bindemittel umhüllen die farbgebenden Pigmente und verbinden sie mit dem Untergrund.

Die Pigmente
Als Pigmente werden die im Bindemittel fein verteilten Stoffe bezeichnet, die dem Lack seine Farbe geben. Mit organischen oder synthetischen Pigmenten können vielfältige Farbtöne erreicht werden. Anorganische Pigmente (z.B. Erdpigmente, Mineralpigmente) zeigen wenig Brillanz, sind aber absolut licht- und wetterbeständig.

Die Lösungsmittel
Lösungsmittel werden im Lack benötigt, um die festen Bindemittel zu lösen und damit die Lacke verarbeitungsgerecht einzustellen. Für den Trocknungsprozess ist es von Bedeutung,dass durch eine richtige Mischung verschiedener Lösemittel der Filmbildungsprozess des Lackes ungestört verläuft.

Hilfsstoffe
Zu den Hilfsstoffen gehören:

Die Additive
Bei den Additive handelt es sich um Zusatzstoffe, die in geringen Mengen einem Lackprodukt zugesetzt werden, um notwendige Eigenschaften zu erreichen oder unerwünschte Eigenschaften zu unterdrücken.

Emulgatoren
Emulagatoren werden zur Stabilisierung der Verteilung der Lackbestandteile benötigt.

Hautverhinderer
Sie Wirken der Bildung einer ‚Haut‘ in der Dose entgegen.

UV-Absorber
Sie hemmen das Vergilben und Verspröden der Lacke durch Sonneneinstrahlung.

Verlaufsmittel
Verlaufsmittel begünstigen die gleichmäßige Verteilung des Streichfilms beim Streichen.

Trockenbeschleuniger
Sind Katalysatoren für die Reaktion von chemisch trocknenden Lacksystemen. (Härter, Konverter)

zum Inhaltsverzeichnis



Der Einsatz von Verdünnungsmittel und Lösungsmittel
Farben und Lacke benötigen speziell angepasste Lösungsmittel, die zugleich auch ihre Verdünnungsmittel sind. Als Verdünnungsmittel können Wasser, Alkohol, Aceton und verschiedene Benzindestillate zur Anwendung kommen.

Außer Wasser sind alle Verdünnungsmittel gesundheitsschädlich und auch teilweise hochentzündlich. Deshalb mit Lösungsmittel nur in gut belüfteten Räumen oder in Spritzkabinen mit einer Abzugsanlage arbeiten.

Die Lösungsmittel bzw. Verdünnungsmittel weisen auch unterschiedliche "Flüchtigkeiten" (Verdunstungszeit) auf. Diese wirkt sich hauptsächlich auf die Verarbeitungszeit der Lacke aus. Eine schnellere Verdunstung des Lösungsmittels verhindert z.B. die Anfälligkeit der lackierten Fläche gegenüber Stäuben und anderen Verunreinigungen.

Bei mehrschichtigen Lackierungen verringert sich zudem die Durchtrocknungszeit, so dass sich der ganze Vorgang Lackierungsvorgang beschleunigt werden kann. Lösungsmittel mit schneller Verdunstungszeit eignen sich auch für Reinigungsarbeiten (Pinsel, Spritzpistolen etc.).

Nun werden von den Herstellern viele Lacke und Farben mit einer relativ dickflüssigen Konsistenz (Viskosität) geliefert. Auch bei einer längeren Lagerung verdickt sich der Lack. Eine der wichtigsten Fragen bei der Arbeit mit Farben und Lacken ist deshalb, wie viel Verdünnungsmittel muss ich einsetzen, damit die Farbe gut verläuft. Am einfachsten ist es zuerst einen Probeanstrich vorzunehmen. Wenn beim Streichvorgang der Lack konturlos verläuft - also der Pinselstrich nicht mehr zu sehen ist, dann hat der Lack bzw. die Farbe die richtige Viskosität.

Die Hersteller bieten für ihre Farbprodukte die verschiedensten Verdünner an. Es kann aber deutlich aus dieser unüberschaubaren Anzahl von Produkten dennoch festgestellt werden, dass man im Wesentlichen mit zwei Verdünnerarten auskommt und zwar mit einem Universalverdünner und einem Pinselreiniger. Natürlich kann auch Wasser bei entsprechend wasserlöslichen Lacken und Farben eingesetzt werden.
Wer überwiegend mit Emailfarben (z.B. von Revell) abeitet, dem genügt der Universalverdünner oder der Pinselreiniger. Natürlich gibt es im Handel noch andere Verdünner, wie den Modellmaster-Verdünner, Tamiya-Verdünner etc. All diese Artikel sind aber im Verhältnis zum Universalverdünner bzw. Pinselreiniger teuer.

Universalverdünner   
Vergrößern -- Bild anklicken

zum Inhaltsverzeichnis



Mischen von Lacken
Bei der Lackierung von Modellen kommt es häufig vor, dass ein Farbton aus verschiedenen vorhandenen Farben gemischt werden muss. Vielfach ist der Modellbahner auch gezwungen Farben von verschiedenen Herstellern zu mischen. Es sind nun natürlich nicht alle Lacke untereinander mischbar. Dies liegt bereits an den Grundstoffen. Aber dennoch sind vergleichsweise viele Lacke untereinander mischbar.
Sehen wir uns mal an, welche Lacke miteinander mischbar sind:

Alkydharzlacke, Acryllacke und Nitrolacke sind untereinander mischbar. Demgegenüber können Spirituslacke nur mit Spirituslacken gemischt werden (Achtung bei älteren Trix und Märklin Modellen).

Wie geht man nun beim Mischen von Farbe vor, damit zum Einen der Farbton erreicht wird und zum Anderen die Farbmenge vergrößert werden kann.

Wichtig ist, dass der gewünschte Farbton mit wenig Farbtönen erreicht wird. Dadurch vereinfacht sich die Herstellung entscheidend. Um dies zu erreichen geht man schrittweise vor:

1. Schritt
Anmischen von wenigen Tropfen eines Lackfarbtones, danach aufbringen von Zusatzfarbtontropfen. Die Tropfenzahlen werden aufgeschrieben.
Beispiel: 5 Tropfen blau, 2 Tropfen hellblau, 2 Tropfen grau, 3 Tropfen gelb = 12 Tropfen.
Zum Aufbringen der Tropfen auf die Mischunterlage kann eine Glaspipette oder ein Zahnstocher dienen. Die jeweiligen Tropfenmengen werden aufgeschrieben
Unter ständigen Vergleich mit dem Orginalfarbton, wird die Farbmischung dem Orginalfarbton angenähert. Dabei ist immer die jeweilige Tropfenzahl aufzuschreiben.
Nun kann es aber vorkommen, dass der Farbton fasst erreicht ist und durch einen zusätzlichen Farbtontropfen das Ergebnis wieder verschlechtert wird. Um nun wieder auf den alten Stand zu kommen muss die Aufschreibung (Mischtabelle) herangezogen werden. Man fängt mit dem Mischen wieder von vorne an und geht bis zum vorletzten Schritt. An dieser Stelle kann man sich dann überlegen, ob man mit einem anderen Farbton weitermacht oder aufhört.

2. Schritt
Mischen einer gleichartig zusammengesetzten Farbe, aber mit einer größeren Menge. Die geschieht dadurch, dass die Aufschreibung unter "Schritt 1" zugrunde gelegt wird. Dazu wird ein frei gewählter Faktor (Multiplikationswert) herangezogen.
Beispiel: Die erforderliche Menge der Farbmischung soll 4 cm³ Lack sein – Diese 4 cm³ Lackmenge erreicht man durch 30 Lacktropfen/cm³ --> also 120 Lacktropfen. Für jeden Farbton unter "Schritt 1" wird somit die 10-fache Menge benötigt ---> also: 50 Tropfen blau, 20 Tropfen hellblau, 20 Tropfen grau, 30 Tropfen gelb = 120 Tropfen.

zum Inhaltsverzeichnis




Trocknen von Lacken
Auf das Trocknen von Lacklasuren ist ein besonderes Augenmerk zu legen. Insbesondere bei mehreren aufeinanderfolgenden Lackierungsvorgängen ist darauf zu achten, dass die jeweiligen Schichten gut durchgetrocknet sind, bevor eine neue Lackschicht aufgebracht wird.
Die Trocknungszeiten von Lacken sind von folgenden Faktoren abhängig:
- vom Lack selbst (das im Lack enthaltene Lösungsmittel und die Pigmente)
- von der Temperatur der Umgebungsluft
- von der Luftfeuchtigkeit
- vom Untergrund

In der Regel sind die im Modellbau verwendeten Lacke alle „lufttrockene“ Lacke. Dies bedeutet, dass sie bei Raumtemperatur austrocknen. Nur selten wird ein Modellbahner andere Lacke verwenden. Es kann aber der Fall eintreten, dass die Trocknungszeiten der einzelnen Schichten verkürzt werden sollen. Hierzu gibt es drei Methoden:

- Die Ofentrocknung

- Die Föhntrocknung

- die Haubentrocknung

Sehen wir uns die drei Methoden näher an:

Die Ofentrocknung verbessert nicht die Lackeigenschaften. Es ist aber hier durchaus möglich, dass der Lackverlauf an der Oberfläche verbessert wird, d.h. die Oberfläche erscheint dann glatter. Ferner verkürzt die Ofentrocknung die Einwirkzeit von Staubpartikel. Gerade beim Trocknungsprozess ist darauf zu achten, dass im Raum kein Staub aufgewirbelt wird. Die Staubeinwirkung kann aber auch durch einen Behälter minimiert werden, in dem man das Modell stellt.
Der Verfasser stellt seine Modelle zum Trocknen grundsätzlich in eine selbstgebastelte Plastikhülle. Mit einer derartigen Methode ist der Staubpartikelflug zu vernachlässigen. Zu beachten ist, dass vor der Ofentrocknung der Lack noch 10 Minuten ablüftet. Erst dann sollte das Modell in den Ofen gestellt werden. Der Backofen ist dann auf 60° - 70°Celsius einzustellen.
Bitte darauf achten, dass diese Temperatur nicht überschritten wird, sonst verliert der Lack seinen Glanz oder der Farbton ändert sich. Es kann aber auch der Lack verbrennen (verspröden).

Leider hat der Verfasser bei seinen Anfängen mit der Ofentrocknung erheblichen Ärger mit seiner Frau bekommen, da der Backofen natürlich auch der Essenszubereitung diente. Um diesen Ärger zu entkommen, hat er sich entschlossen einen kleinen Minibackofen zu kaufen. Aber derartige Dinge bekommt man z.B. bei Conrad-Elektronik. Der Minibackofen hat sich sehr bewährt.

Eine weitere Möglichkeit den Lack schnell zu trocknen ist die Föhntrocknung . Allerdings ist hier der Staub das größte Problem. Ohne einen geschlossenen Behälter sollte eine Föhntrocknung nicht vorgenommen werden. Der Vorteil der Föhntrocknung liegt in der schnellen Ablüftung des Lackes. Dadurch kann die Staubeinwirkung die bei der Lufttrocknung auftritt minimiert werden. Geeignet sind alle handelsüblichen Föhne.

Die Haubentrocknung ist eine Weiterentwicklung der Föhntrocknung. Benötigt wird eine Trockenhaube (wie bei der Haartrocknung). An diese Haube wird dann der Föhn angeschlossen. Das Ergebnis einer Haubentrocknung kommt dem einer Ofentrocknung sehr nahe.

Wie lange muss ich nun mein Modell im Ofen lassen bis der Lack durchgetrocknet ist ?> Hier können keine genauen Angaben gemacht werden, da die Trocknungszeiten von Lack zu Lack bzw. von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sind. Hier sind die Herstellerangabe zu beachten. In Hinblick auf den Unterschied zwischen Lufttrocknung / Ofentrocknung gilt folgende Faustformel:

      Zeit = Lufttrocknung / 48

Hierzu ein Beispiel:
Ein Lack von Revell benötigt für die Trocknungszeit (durchgetrocknet) rd. 24 Stunden. Die Ofentrocknung dauert dann (24*60) / 48 = 30 min.
zum Inhaltsverzeichnis




Pigmentfarben, Kreide und Pigmentpulver
Pikmente sind farbgebende Substanzen. Im Gegensatz zu Farbstoffen bestehen sie aus Teilchen und sind unlöslich. Pigmente können anorganisch oder organisch sein. Pigmentfarben besitzen eine sehr hohe Färbekraft.

Maßgeblich für die Eigenschaften der Pigmente sind u.a. die Festkörpereigenschaften wie Kristallstruktur, Kristallmodifikation, Teilchengröße und Teilchengrößenverteilung.

Pigmente werden in in Ölfarben, Lacken, Dispersionsfarben, Druckfarben und Buntstiften verwendet. Die Farbe wird bei den Pigmenten aus den bunten Steinen, Metallen und Mineralien gewonnen. dazu werden die Ausgangsmaterialien fein gemahlen und in Lösungsmitteln aufgelöst. Für jedes Pigment gibt es das entsprechende Lösungsmittel. Wenn sich das Lösungsmittel nach einer gewissen Zeit verflüchtigt hat steht es als Pulver zur Verfügung.

Je feiner ein Pigment-Teilchen gemahlen wurde, desto intensiver leuchtet die Farbe. Manchmal ändert sich die Farbe sogar.

Für den Modellbahner der seine Loks, Wagen und Häuser etc. entsprechend altern will ist die reine Pigmentfarbe von Vorteil, da er Pigmentfarben ohne Problem mit Wasser vom Material wieder abwaschen kann. Um sie aber dauerhaft auf dem Modell zu fixieren muss er die Pigmentfarbe entsprechend z.B. mit Klarlack fixieren. Eine Fixierung der Pigmente ist notwendig, damit die Pigmente auch dauerhaft haften.

Wie fein ein Pigmentpulver gemahlen ist, hat großen Einfluss darauf, wie gut eine Oberfläche das Pulver annimmt und wie gut es ohne weitere Hilfsmittel dort haften bleibt. Eine gute Pastellkreide zum Beispiel kann trotz ihres geringen Bindemittelgehalts und dem damit verbundenen Zusammenbacken des Pulvers besser sein als manch reines Pigmentpulver. Festzustellen ist, dass auch bei hochwertigsten Pigmenten große Unterschiede zwischen verschiedenen Farbtönen ein und desselben Herstellers auftreten können. Deshalb lautet hier der Spruch "immer wieder probieren". Pigmentstaub ist besitzt kein flüssiges Bindemittel. Deshalb bekommt man mit Pigmentstaub eine matte Oberfläche.

Eine "gute" Kreide fühlt sich beim Bestreichen mit der Fingerkuppe "weich"/"fettig" an. Immer wieder finden sich im Laden "schlechte" Kreiden, die sich "hart"/"kratzig" anfühlen und es bleibt weniger Farbe am Finger zurück. Diese Kreiden (hart/kratzig) haften am Fahrzeug schlechter, auch das Auftragen ist mühsamer. Deshalb bei Kreiden auf die "Fettigkeit" achten.

Der Nachteil von Pigmentpulver und auch Kreide ist, dass die Farbschicht nicht grifffest ist und teilweise an sehr glatten Oberflächen zum Teil wieder abfällt. Insbesondere an Wagendächern ist es sehr lästig, wenn bei jedem Anfassen ein wenig des Farbpulvers auf den Fingern verbleibt. Deshalb muss auch Pigmentpulver und Kreide schnellstens nach dem Auftragen fixiert werden.

Der Vorteil von Pigmentpulver und Kreide ist dagegen, dass auch Fehler im Auftrag sehr schnell korrigiert werden können (einfach abwischen).

Bei der Verarbeitung von Pigmentfarben ist aber auf folgendes zu achten:

o Pikmentfarben sind Gesundheitsschädlich beim Verschlucken

o Pikmentfarben reizen Augen und die Haut

o Bei Berührung mit den Augen, die Augen sofort unter Wasser abspülen und den Arzt konsultieren

o Bei der Arbeit geeignete Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen

Die Pigmente werden mit einem weichen Pinsel auf genommen und auf die zu alternden Bereiche aufgetupft, mit einem härteren Pinsel dann verrieben. Pigmente die nicht in Vertiefungen und Ecken hängen bleibt werden abgekehrt oder abgeblasen. Dieser „Schmutz“ haftet also von selbst. Eine Fixierung z. B. durch Übersprühen mit klarem Mattlack oder Fixa - tiv ist nicht erforderlich, macht die Sache aber grifffest, wobei die Farben beim Übersprühen nachdunkeln. Unfixierte Pigmentalterungen können Sie bei Bedarf ohne weiteres wieder abwaschen.
Beim Altern von Modellen ist es sinnvoll die künstlich wirkenden Farben des Modells durch den Pigmentfarbenauftrag zu brechen. Danach kann durch Auftragen verschieden Pigmentfarben der Farbwert verändert werden. Da die reinen Pigmentfarben puderartig aufgetragen werden, ist die Veränderung des Farbwertes einfach zu gestalten. Sollte die Alterung des Modells nicht passen, so kann der gesamte Auftrag wieder Wasser entfernt werden. Wenn die Alterung gelungen ist, sollte - wie bereits gesagt - die Pigmentfarbe fixiert werden. Dazu entweder ein Klarlackspray oder ein Haarspray verwenden. Keinesfalls den matten Klarlack mit einem Pinsel auftragen, denn dann wird die Pikmentfarbe verwischt. Am besten mit einem Airbrusher oder einer Spraydose. Es geht auch mit einem Pumpzerstäuber, wie man es bei Duftwässererchen kennt..

Pigmentfarben und die nachfolgende Aussage gilt auch für Kreidefarben, sollten immer trocken auf das Modell aufgebracht werden. Wenn dies nicht möglich ist, weil z.B. das Modell zu klein ist, dann kann der Auftrag auch "nass" erfolgen. Hierzu wird die Pigmentfarbe mit einem verdünnten Klarlack vermischt. Es entsteht damit ein matter Lack.

Eine andere Methode ist diese. Das Modell wird mit billigem Haarspray besprüht. Danach wird das Pigmentpulver aufgestreut. Es ist hier aber Übung erforderlich, da das Haarspray sehr schnell antrocknet und dann ein Aufstreuen des Pigmentpulvers nicht mehr möglich ist.

Aufbringen von Pigmentfarbe
Vergrößern -- Bild anklicken

Weitere Hinweise zu den Pigmentfarben gibt es ---> hier

zum Inhaltsverzeichnis





Pinseln oder Spritzen
Dies ist eine "fast" Glaubensfrage. Aber Scherz beiseite. Sicher ist eines, Pinsel-Lackierungen können fast so gut gelingen wie Spritzlackierungen. Dabei gibt es jedoch Einiges zu beachten.

- Nur qualitativ hochwertige Pinsel benutzen.
- Pinsel sorgfältig auswaschen bzw Reinigen.
- Die Saugfähigkeit und die Spitze des Pinsels müssen zur Aufgabe passen.

Das nur mit einem qualitativ hochwertigen Pinsel gute Arbeitsergebnisse erzielbar sind dürfte außer Zweifel sein.

Das Pinsel reinigen wird oft vernachlässigt. Meist wird der Pinsel nur mit einer Verdünnermenge ausgewaschen. Die reicht aber in der Regel nicht aus, da insbesondere der hintere Teil der Pinselhaare nicht ordentlich gereinigt wird. Besser man füllt die Schale zur Reinigung der Pinsel nach dem ersten auswaschen nochmals mit Reinigungsmittel auf und lässt den Pinsel 5 Minuten in der Reinigungsflüssigkeit. Dadurch werden auch hartnäckige Farbreste gelöst. Nach dieser Phase den Pinsel nochmals kurz durchwaschen und dann trocknen. Der Pinsel muss auch manchmal während der Lackierarbeit völlig ausgewaschen werden, weil die Farbe sogar innerhalb der Haare antrocknet. Dadurch sinkt die Saugfähigkeit, und der Pinsel wird unmerklich härter. Er hinterlässt dann unerwünschte Spuren im Lackierbild. Die Lackierarbeit ist deshalb so zu organisieren, dass bei größeren Flächen auch der letzte Auftrag keine Möglichkeit hat anzutrocknen, bevor Sie den nächsten Abschnitt in Angriff nehmen. Die Übergänge müssen nahtlos in einander fließen.

Die Saugfähigkeit und der Pinsel müssen aufeinander abgestimmt sein. Wenn Zierlinien oder Schriften aufgebracht werden, muss die Fähigkeit des Pinsels Farbe zu speichern, sehr groß sein - die Spitze des Pinsels dagegen sehr fein. Die große Speicherfähigkeit muss sein, damit die Farbe im Pinselhaar nicht zu schnell austrocknet und die Linie bzw Schrift durchgezogen werden kann, ohne neu ansetzen zu müssen. Sollen größere Flächen lackiert werden muss die Spitze genau definiert sein (weiche Pinselhaare, beispielsweise Rotmarder), die Speicher-Kapazität jedoch um ein vielfaches größer. Die Ränder der zu lackierenden Fläche sollten deshalb zuerst mit einem feineren Pinsel vorlackiert werden und dann erst mit einem größeren Pinsel die größere Restfläche. Die Randlackierung darf aber nicht antrocknen, wenn die Innenflächen noch nicht lackiert sind.
Die verwendete Farbe muss so verdünnt sein, das sie nach dem Auftrag noch gut verfließen kann. Das ist vielfach aber wieder ein Problem, da manche Lacke nicht gut decken. da bleibt dann nichts anders übrig als den Lack durchtrocknen lassen und danach eine zweite Schicht aufbringen.

Arbeitsunterbrechungen lassen sich beim Pinsellackieren nicht verheimlichen. Es sollte deshalb angestrebt werden, wenn mit Arbeitsunterbrechungen zu rechnen ist, dass die Grundfarbe des Modells in genügender Menge vorhanden ist um die Arbeit mit derselben Farbe fortsetzen zu können.

Nun gibt es natürlich außer dem Pinsel auch noch den sog. Airbrusher - also eine kleine Spitzpistole -. Falls sich der Modellbahner mit der Anschaffung eines Airbrusher beschäftigt, sollten doch ein paar Gedanken hier weiterhelfen. Trotz einer derartigen Anschaffung wird aber der Pinsel immer noch benötigt.

Sehen wir uns die Spritz-Lackierung an. Eigentlich kommen nur zwei Arten in Frage.

- die Spraydosenspritzung
- die Airbrush-Pistolen-Spritzung mit Klein-Kompressoren oder Druckluft-Dosen

Bevor wir auf die einzelnen Spritzmethoden eingehen, ein paar Regeln die unbedingt bei der Spritzlackierung zu befolgen sind um beste Arbeitsergebnisse zu bekommen:

1. Für eine Staub- und Zugluftfreie Umgebung sorgen. Diese Bedingungen können durch den einfachen Bau einer Spritzkabine erreicht werden. Der Verfasser hat sich eine kleine Kabine aus Kunststofffolie und Dachlatten gebaut. Die Größe 0,80 m x 0,80 m x 0,80 m. Zu bedenken ist auch, dass Spraydosen eine große Farbvernebelung verursachen. Deshalb sollte die Kabine relativ "dicht" sein. Zur Not tut es auch ein Pappkarton. Leider ist aber die Beleuchtung dann sehr schlecht.

2. Auf ausreichende Lichtverhältnisse achten, damit die Wirkung der lackierung angemessen beurteilt werden kann. Am besten wäre natürlich ein Arbeitsplatz am Tageslicht. Wenn dies nicht klappt, dann zumindest eine Ausleuchtung mit Energiesparlampen. Die Ausleuchtung mit Glühbirnen, LED-Leuchten oder ... ist nicht ratsam.

3. Auf eine gute Auflage für das Modell achten bzw sich eine Möglichkeit schaffen, dass Modell auch zu halten, zu wenden und zum trocknen abstellen zu können, ohne den lackierten teil zu berühren. Bei kleinen Modellteilen können z.B. Zahnstocher oder Schaschlik-Spieße gute Dienste, die in kleine Öffnungen des Modells gesteckt werden können. Zum Trocknen können dann diese Hölzchen in einen kleinen Schraubstock eingespannt werden oder mit einem Holzklemmer fixiert werden.

3. Beim Spritzlackieren immer zuerst eine dünne erste Schicht auftragen. Sie dient als Verbindung zum Träger-Material. Diese erste Schicht muss auch nicht voll decken. Dann Warten bis der Lack leicht angetrocknet ist (nicht durchtrocknen lassen) und dann erst weitere Schichten auftragen. Als Regel gilt. drei dünne Schichten im Abstand von zwei bis drei Minuten auftragen.

4. Farbtöne können auf unterschiedlichen Untergründen verschieden gut decken und auch wirken. Daher kann es in manchen Fällen sinnvoll sein, ein gesamtes Modell zunächst neutral grau oder gar weiß zu spritzen und dann erst die gewünschte Farbe aufzutragen. Schlecht deckende Farben sind beispielsweise rot und gelb. Beide sollten auf homogene Untergründe aufgetragen werden. Beide Farben ergeben z.B. auf weißen Grund eine bessere Leuchtkraft als beispielsweise auf schwarzen Grund.

5. Eine wichtige Arbeit beim Spritzlackieren ist auch das Abkleben der nicht zu spritzenden Teile. Dies gilt auch, wenn zwei verschiedene Farben aufgespritzt werden, In diesem Fall muss zuerst die aufgetragene Schicht abgeklebt werden. Zuerst die Schicht aufspritzen, die sich mit geringem Aufwand abkleben lässt. Komplexe Abklebestrukturen können hergestellt werden, in dem der Klebefilm auf eine saubere Glasplatte geklebt wird und mit einem passenden Messer - am besten mit einem Cutter oder Rasiermesser - passend zugeschnitten wird. Die so entstandene Maske von der Glasplatte abheben und auf das abzudeckende Teil kleben. Es gibt auch flüssige Klebefilme, die aber teuer sind.

6. Nicht zu vergessen ist auch, dass die Unterlage fettfrei und natürlich auch staubfrei vor dem Spritzen gemacht wird. Der Verfasser macht dies immer mit seinen Modellen in einem warmen mit Spülmittel versetzten Wasser und einem Pinsel. Nur wenn der Fettfilm, der immer durch das Berühren der Modelle mit Hand vorhanden ist abgewaschen ist, kann die Farbe auch auf der Unterlage haften. Bei Modellbahnvereinen habe ich erfahren, dass aber Kunststoffmodelle anders zu reinigen sind als Gußmodelle. Deshalb soll auch diese Weisheit hier mitgeteilt werden.
Kunststoffmodelle wie bereits gesagt in warmem Spülwasser reinigen.
Blanke unlackierte Metall-Modelle in einer Mischung aus 90% Wasser, 10% Ammoniak-Lösung (25%ig) und einem Schuss Spülmittel reinigen. Nach Beendigung dieser Reinigung wäscht man am besten anschließend noch mit reinem Wasser nach.


Bevor mit Spraydosen gespritzt wird, ist mind. 3-4 Minuten (ab hörbarem Schlag der Mischkugeln) die Dose zu schütteln. Dies klingt jetzt übertrieben. Tatsache ist aber, dass die Mischkugel Zeit viele Drehbewegungen benötigt um den Lack in der Dose gut durchzumischen. Bitte auch den Lack nicht unter 18°C spritzen. Wenn diese Grundlagen nicht befolgt werden, ist in der Regel das Spritzergebnis mit Dosen nicht sonderlich gut. Es kann dann zu Lackabplatzungen und besonders auch "Lacknasen" führen.

Das Spritzen mit dem Airbrusher oder auf Deutsch mit der Luftdruckspritzpistole ist natürlich besser als mit der Spraydose. Dies liegt schon daran, dass die Düsen einer Sraydose sich nicht einstellen lassen und auch der Druck nicht regelbar ist.
Zum Spritzen mit der Spritzpistole wird ein Kleinkompressor oder eine Druckluftdose benötigt. Eine billigere Möglichkeit für das Druckmittel Luft habe ich bei einem Modellbahnkollegen gesehen. Um die Druckluft für die Spritzpistole zu bekommen hat er einen Fahrradreifen aufgepumpt und mit einem entsprechenden Adapter an den Airbrusher angedockt. Funktioniert eigentlich wunderbar.
Wenn das Arbeitsgerät bereit ist, muss dann darauf geachtet werden, dass der Druck und die Verdünnung der Farbe zueinander passen. Die Spritzpistole erzeugt durch den Luftstrahl an der Farbdüse eine äußerst feine Zerstäubung des verdünnten Lacks. Der einzustellende Verdünnungsgrad hängt vom verwendeten Lack ab. Je kleiner und diffiziler das Spritzgut ist, desto feiner muss auch die Düsenweite sein. In der Grundausstattung bietet die Spritzpistole eine 0,2 mm Düse an. Diese Düse ist besonders gut für feine und feinste Arbeiten geeignet. Benutzt man jedoch stark verdünnte, wässrige Alterungsfarben und wählt einen größeren Spritzabstand, dann ist eine solch feine Düse auch für größere Flächen gut geeignet.
Der Spritzdruck an der Pistole sollte normalerweise zwischen 1 und 1,5 bar liegen, 2 bar sind auch noch möglich. Bei höherem Spritzdruck ergibt sich eine feinere Zerstäubung, aber auch ein stärkerer Sprüh-Nebel. Niedriger Spritzdruck ergibt eine etwas gröbere Zerstäubung, weniger Nebel und einen feineren Spritzstrahl. Bei einem Druck von nur ca. 0,2 bis 0,3 bar erreicht man z. B. eine sichtbare Pünktchen-Lackierung (feine Sprenkel), die man zum Altern von Wagendächern gebrauchen kann.
Den idealen Spritzabstand sollte an einem Stück Papier ausprobiert werden. Er liegt je nach Zerstäubung zwischen 15 und 30 cm. Bei höherem Druck und größerer Düsenweite soll der Abstand größer sein und umgekehrt. Vom Verlassen der Spritzpistole bis zum Auftreffen auf das Modell soll schon ein Teil des Verdünnungsmittels verdunsten, sodass der Lack auf der Oberfläche nicht mehr läuft.
Beim Spritzen hält man den Sprühstrahl immer senkrecht auf das Modell und führt ihn im Kreuzgang (siehe Bild unten) hin und her, immer im gleichen Abstand zum Modell und mit gleichmäßiger Armbewegung. Verlaufen der Farbe und Nasenbildung können auftreten, wenn die Bewegung ungleichmäßig erfolgt oder kurz unterbrochen wird, oder wenn der Spritzabstand zu klein geworden ist.


Nun zu den Vor- und Nachteilen "Pinsels / Airbrusher":

   - Kleinste Details, wie Fensterrahmen, kleine Anbauteile, Schriften können nur mit dem Pinsel bemalt werden.
   - Der Vorbreitungsaufwand ist gering.
   - Die Umgebung braucht nicht gegen den Lacknebel geschützt zu werden.
   - Der Reinigungsaufwand ist gering.
   - Die Kosten für Pinsel sind wesentlich geringer als für einen Airbrusher.
   - Kleine Kratzer lassen sich nur mit einem Pinsel beheben.
   - Kleinste Ecken sind mit dem Pinsel erreichbar.
   - Das Abkleben der Modelle entfällt.


Demgegenüber stehen natürlich Vorteile bei der Spritzlackierung:

   - Gleichmäßige Aufbringung einer Lackschicht ist möglich.
   - Zeitgewinn bei der Lackierung größerer Flächen
   - Der Glanzgrad lässt sich besser einstellen bzw. verändern.
   - Metalliklackierungen lassen sich nur über das Spritzverfahren ansehnlich darstellen.
   - Anstriche mit ineinander laufenden Farbübergängen sind nur über das Spritzverfahren herzustellen.

Sowohl Pinsellackierungen, als auch die Spritzlackierungen haben somit entscheidende Vorteile.

Wie soll sich nun ein Modellbahner entscheiden?

Der Verfasser lackiert nunmehr Modelle schon seit zwei Jahrzehnten. Aber er besitzt bis heute keinen Airbrusher und kommt auch ohne ihn gut aus. Bei einer guten Pinselbemalung ist kein Unterschied zum Airbrusher zu sehen. Größere Flächen und insbesondere Metalliclackierungen lassen sich auch gut mit einer Sprühdose aufbringen. Dies gilt auch für einen Transparent-Lackauftrag. Natürlich hat die Spritzpistole gegenüber einer Spraydose entscheidende Vorteile. So kann bei einem Airbrusher der Sprühstrahl eingestellt werden. Dadurch kann die Auftragsstärke optimal eingestellt. Demgegenüber muss auch gesehen werden, dass viel mehr Farbmenge benötigt wird (gegenüber Pinselbemalung).

Eine Spraydose erzeugt natürlich einen größeren Sprühnebel als ein Airbrusher. Allerdings ist der Zeitaufwand für die Reinigung eines Airbrusher unverhältnismäßig hoch.

Nun muss jeder Modellbahner selbst wissen, wie er lackieren will. Er sollte aber zuerst mal mit dem Pinsel und der Spraydose seine Fertigung erlangen, bevor er mit dem Airbrusher seine handwerkliche Vollendung anstrebt.

Es gibt noch weitere Verhaltensregeln beim Lackieren:

Größere Modellteile Teile sollten grundsätzlich gespritzt werden (Spraydose oder Airbrusher). Mit dem Pinsel ist ein vergleichbares Resultat nur sehr aufwendig und schwierig zu erzielen. Kleinteile hingegen sind mit dem Pinsel zu behandeln. Die Lackierreihenfolge ist ferner zu beachten.

Lackiere zuerst die gesamte Oberfläche des Modells (oder spritzen). Die farblich abgesetzten Kleinteile und Anbauteile können dann mit dem Pinsel - entsprechend der gewünschten Farbe - nachlackiert werden. In keinem Fall die Kleinteile zuerst lackieren.

Für Dampflokmodelle solle grundsätzlich nur der Pinsel eingesetzt werden. Die Ecken, Mulden und Vertiefungen sind nichts für Spraydose und Airbrusher.

Nun hat der Verfasser dieses Aufsatzes auch ein paar Modelle mit einem geliehenen Airbrusher gespritzt. Dabei können folgende Erfahrungen wieder gegeben werden:

Es sollten nur Farben genommen werden die mit Wasser verdünnbar sind. Je feiner die Düse der Pistole eingestellt wird, um so mehr Wasseranteil muss die Mischung enthalten. Ohne Verdünnen kann Farbe nur genommen werden, wenn Düsengrößen > 0,3 mm benutzt werden. Ist aber für den Modellbahnbereich nicht akzeptabel. Verwendet man feinere Düsen, so ist die Farbe immer mit Wasser oder Verdünnungsmittel zu verdünnen.
Beim Verdünnen ist jedoch zu beachten, dass beim Zugeben von Wasser nicht nur die eigentliche Farbe verdünnt wird, sondern auch das darin enthaltene Bindemittel. Dadurch nimmt die Haftung der Farbe zum Untergrund ab. Dies verursacht in Hinblick auf die Deckungsfähigkeit und Haftfähigkeit Probleme.
Das richtige Farbe/Wasser-Verhältnis ist auch von der Pistole abhängig. Hier ist probieren angesagt. Wichtig ist auch der richtige Spritzdruck. Die besten Ergebnisse werden erzielt, wenn der Druck am Kompressor auf die Farb-Wasser-Mischung angepasst wird. Der Spritzdruck beim airbrushen beträgt rd. 2 bar. Bei feinen Düsen und stark verdünnten Farben kann sich dieser Druck aber andern.
Das Verdünnen der Farbe bringt folgende Vorteile:

-- bessere Spritzbarkeit

-- Sparsamkeit beim Farbverbrauch

-- Düsennadel setzt nicht so schnell Farbe an

-- Leichteres Reinigen der Airbrush-Pistole

-- einfacheres Dosieren der Farbe

Spritz-Muster     Spritzmethode
Falsches und richtiges Spritzen
Vergrößern -- Bild anklicken


zum Inhaltsverzeichnis



Glänzend bis Matt - der Glanz
Eine realistische Wirkung eines Modells entsteht nur durch die angemessene Verwendung glänzender, seidenmatter und matter Lacke. Dabei ergibt nicht jeder als matt ausgewiesener Lack auch wirklich einen matten Überzug. Oft wirkt das Ergebnis eher seidenmatt. Glänzende Lackoberflächen trifft man bestimmt nicht bei der Eisenbahn an. Was glänzt bei der Eisenbahn sind vielleicht Handgriffe. Solche Teile können nach einer matten Decklackierung nachträglich mit dem Pinsel und Klarlack auf Hochglanz gebracht werden. Schlecht aufgerührte, matte oder seidenmatte Farben ergeben übrigens auch glänzende Oberflächen.
Nach der Norm wird der Glanzgrad von Lacken in einer Skala von 0 bis 100% wie folgt definiert:

0 % = Stumpfmatt
20 % = Matt
40 % = Halbmatt
60 % = Halbglanz
80 % = Glanz
100 % = Hochglanz

Nach dieser Definition ist:
- seidenmatt: 10 bis 15%
- Samtmatt: 30%
- Seidenglänzend: 60%
Die Firma Märklin hat bei Ihren Modellen einen Glanzgrad zwischen 35 % und 50 %, also Halbmatt bis Halbglanz. Den Glanzgrad kann man zwar mit Messgeräten feststellen. Der Preis für diese Geräte ist aber für einen Modellbahner einfach zu teuer. Am besten ist es sich auf seine Augen und seine Erfahrung zu verlassen. Man sieht ja schließlich einem Modell an, ob der Glanzgrad der Realität nahe kommt. dazu braucht es dann kein Messgerät mehr.

Die wichtigere Frage wäre dann schon, wie stelle ich den Glanzgrad her. Nach den Erfahrungen des Verfassers kann aus einem Hochglanzlack durch Beimischen von Mattlack der entsprechende Glanzgrad hergestellt werden, der benötigt wird. Es kann aber auch der Glanzgrad eines Glanzlackes durch Beimischen eines Verdünners herabgesetzt werden. Mattierungspaste, die manchmal in den Modellbahngeschäften angeboten wird, sollte nicht verwendet werden, da diese schlechte Ergebnisse liefert.

Jetzt haben wir über den Glanzgrad gesprochen und haben festgestellt, dass für das Altern von Modellen doch hauptsächlich matte Farben verwendet werden müssen. Darüber hinaus sollen die Farben auch stark pigmentiert und gut fließfähig sein. Es sei denn man will 3-dimensionale Flecken erzeugen.

zum Inhaltsverzeichnis

linie

Zurück         Zurück
linie